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I. Vorblick

muß doch erfahren werden. Und wenn der Mensch gegen sie verhärtet ist und, wie es scheint, so hartnäckig wie noch nie bisher? Dann müssen die Erweckenden kommen, die zuletzt meinen, sie hätten die Not entdeckt, weil sie wissen, daß sie die Not erleiden.

Die Erweckung dieser Not ist die erste Verrückung des Menschen in jenes Zwischen, wo gleichmäßig die Wirrnis bedrängt und der Gott auf der Flucht bleibt. Dieses »Zwischen« aber ist keine »Transzendenz« mit Bezug auf den Menschen, sondern ist im Gegenteil jenes Offene, dem der Mensch als Gründer und Wahrer zugehört, indem er als Da-sein er-eignet ist vom Seyn selbst, das als nichts anderes west denn als Ereignis.

Kommt der Mensch durch diese Verrückung in das Ereignis zu stehen und bleibt er inständlich in der Wahrheit des Seyns, dann steht er erst noch immer nur auf dem Sprung zur entscheidenden Erfahrung, ob im Ereignis der Ausbleib oder der Anfall des Gottes sich für ihn oder gegen ihn entscheidet.

Erst wenn wir ermessen, wie einzig notwendig das Sein ist und wie es doch nicht als der Gott selbst west, erst wenn wir unser Wesen gestimmt haben auf diese Abgründe zwischen dem Menschen und dem Seyn und dem Seyn und den Göttern, erst dann beginnen wieder »Voraussetzungen« für eine »Geschichte« wirklich zu werden. Darum gilt denkerisch allein die Besinnung auf das »Ereignis«.

Schließlich und zuerst kann das »Ereignis« nur er-dacht (vor das anfängliche Denken gezwungen) werden, wenn das Seyn selbst begriffen ist als das »Zwischen« für den Vorbeigang des letzten Gottes und für das Da-sein.

Das Ereignis übereignet den Gott an den Menschen, indem es diesen dem Gott zueignet. Diese übereignende Zueignung ist Ereignis, in dem die Wahrheit des Seyns als Da-sein gegründet (der Mensch verwandelt, in die Entscheidung des Da-seins und Weg-seins gerückt) wird und die Geschichte aus dem Seyn ihren anderen Anfang nimmt. Die Wahrheit des Seyns aber als Offenheit des Sichverbergens ist zugleich die Entrükkung

GA 65