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I. Vorblick

durch die Stimmung erst wird das Ausmaß der Entrückung des Daseins ermessen und ihm die Einfachheit der Berückung zugemessen, sofern es sich urn die Verhaltenheit als die Grund-stimmung handelt.

Sie ist die Grund-stimmung, weil sie die Ergründung des Grundes des Da-seins, des Ereignisses, und somit die Gründung des Da-seins stimmt.

Die Verhaltenheit ist die stärkste und zugleich zarteste Bereitschaft des Daseins für die Er-eignung, das Geworfenwerden in das eigentliche Innestehen in der Wahrheit von der Kehre im Ereignis (vgl. Der letzte Gott). Nur auf die Verhaltenheit trifft die Herrschaft des letzten Gottes; die Verhaltenheit schafft ihr, der Herrschaft, und ihm, dem letzten Gott, die große Stille.

Verhaltenheit stimmt den jeweiligen gründenden Augenblick einer Bergung der Wahrheit im künftigen Dasein des Menschen. Diese im Da-sein gegründete Geschichte ist die verborgene Geschichte der großen Stille. In ihr allein kann noch ein Volk sein.

Diese Verhaltenheit vermag allein Menschenwesen und Menschenversammlung auf es selbst, d. h. in die Bestimmung seines Auftrags: die Beständnis des letzten Gottes, zu sammeln.

Ist uns noch künftig eine Geschichte bestimmt, das ganz Andere, als was jetzt dafür gehalten zu werden scheint: die trübe Hetzjagd sich selbst auffressender Begebenheiten, die nur noch durch den lautesten Lärm flüchtig sich festhalten lassen?

Wenn uns eine Geschichte, d. h. ein Stil des Da-seins, noch geschenkt sein solI, dann kann dies nur die verborgene Geschichte der großen Stille sein, in der und als welche die Herrschaft des letzten Gottes das Seiende eröffnet und gestaltet.

Also muß erst die große Stille über die Welt für die Erde kommen. Diese Stille entspringt nur dem Schweigen. Und dieses Erschweigen entwachst nur der Verhaltenheit. Sie durch-stimmt als Grundstimmung die Innigkeit des Streites zwischen Welt und Erde und damit die Bestreitung des Anfalls der Er-eignung.

GA 65