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13. Die Verhaltenheit

Das Da-sein als Bestreitung dieses Streites hat sein Wesen in der Bergung der Wahrheit des Seyns, d. h. des letzten Gottes in das Seiende (vgl. Die Gründung).


Die Verhaltenheit und die Sorge


Die Verhaltenheit ist der Grund der Sorge. Die Verhaltenheit des Da-seins begründet erst die Sorge als die das Da ausstehende Inständigkeit. Aber die Sorge — immer wieder ist es zu sagen - meint nicht Trübsinn und Beklemmung und verquälte Bekümmernis um dies und jenes. All dieses ist nur das Unwesen der Sorge, sofern sie überdies noch in ein anderes Mißverständnis gesetzt wird, daß sie eine »Stimmung« und »Haltung« unter anderen sei.

In dem Ausspruch: »er wird für Ordnung sorgen« - Sorge tragen - kommt etwas vom Wesen der Sorge zum Vorschein: die vorgreifende Entschiedenheit. Aber zugleich ist die Sorge keine bloße Willenshaltung, sie läßt sich überhaupt nicht aus Seelenvermögen zusammenrechnen.

Sorge ist als Beständnis des Da-seins die vorgreifende Entschiedenheit zur Wahrheit des Seyns und die Zugewiesenes austragende Verhaftung in das Da zumal; der Grund dieses Zumal ist die Verhaltenheit des Daseins. Diese stimmt nur als ereignete Zugehörigkeit zur Wahrheit des Seins.

Verhaltenheit als der Ursprung der Stille und als Gesetz der Sammlung. Die Sammlung in der Stille und die Bergung der Wahrheit. Bergung der Wahrheit und ihre Ausfaltung in das Besorgen und den Umgang.

Verhaltenheit als Offenheit für die verschwiegene Nähe der Wesung des Seyns, stimmend auf das fernste Erzittern sich ereignender Winke aus der Ferne des Unentscheidbaren.

Verhaltenheit und Suchen; der höchste Fund im Suchen selbst die Nähe zur Entscheidung.

GA 65