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17. Die Notwendigkeit der Philosophie

an den »Wissenschaften«. Diese Fragerichtung – nicht nur die der ausgesprochen »wissenschaftstheoretischen« Art – muß völlig aufgegeben werden.

Die Philosophie baut nie unmittelbar am Seienden, sie bereitet die Wahrheit des Seins vor und steht mit den hierbei sich öffnenden Blickbahnen und Gesichtskreisen bereit.

Die Philosophie ist eine Fuge im Seienden als die sich dem Seyn fügende Verfügung über seine Wahrheit.



17. Die Notwendigkeit der Philosophie


Alle Notwendigkeit wurzelt in einer Not. Die Philosophie als die erste und äußerste Besinnung auf die Wahrheit des Seyns und das Seyn der Wahrheit hat ihre Notwendigkeit in der ersten und äußersten Not.

Diese Not ist Jenes, was den Menschen im Seienden umtreibt und ihn zuerst vor das Seiende im Ganzen und in die Mitte des Seienden und so zu sich selbst bringt und damit jeweils Ge- schichte anfangen oder untergehen läßt.

Dieses Umtreibende ist die Geworfenheit des Menschen in das Seiende, die ihn zum Werfer des Seins (der Wahrheit des Seyns) bestimmt.

Der geworfene Werfer vollzieht den ersten, d. h. gründenden Wurf als Entwurf (vgl. Die Gründung, 203. Der Entwurf und das Da-sein) des Seienden auf das Seyn. Im ersten Anfang, da der Mensch erst überhaupt vor das Seiende zu stehen kommt, ist der Entwurf selbst und seine Art und seine Notwendigkeit und Not noch dunkel und verhüllt und dennoch mächtig: φύσις — άλήϋεια — εν — πάν – λόγος — νους — πόλεμος — μή δν — δίκη άδικία.

Die Notwendigkeit der Philosophie besteht darin, daß sie als Besinnung jene Not nicht beseitigen, sondern ausstehen und begründen, zum Grund der Geschichte des Menschen machen muß.


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65