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20. Der Anfang und das anfängliche Denken*

Der Anfang ist das Sichgründende Vorausgreifende; sich gründend in den durch ihn er-gründeten Grund; vorausgreifend als gründend und deshalb unüberholbar. Weil jeder Anfang unüberholbar ist, deshalb muß er stets wiederholt, in der Auseinandersetzung in die Einzigkeit seiner Anfänglichkeit und damit seines unumgehbaren Vorgreifens gesetzt werden. Diese Auseinandersetzung ist dann ursprüngliche, wenn sie selbst anfänglich ist, dies aber notwendig als anderer Anfang.

Nur das Einmalige ist wieder-holbar. Nur es hat in sich den Grund der Notwendigkeit, daß wieder zu ihm zurückgegangen und seine Anfänglichkeit übernommen wird. Wieder-holung meint hier nicht die dumme Oberflächlichkeit und Unmöglichkeit des bloßen Vorkommens des selben zum zweiten und dritten Mal. Denn der Anfang kann nie als das selbe gefaßt werden, weil er vorgreifend ist und so je das durch ihn Angefangene anders übergreift und demgemäß die Wieder-holung seiner bestimmt.

Das Anfängliche ist nie das Neue, weil dieses nur das flüchtig nur Gestrige. Der Anfang ist auch nie das »Ewige«, weil er gerade nicht heraus- und weg-gestellt wird aus der Geschichte. Was aber ist der Anfang des Denkens — in der Bedeutung der Besinnung auf das Seiende als solches und die Wahrheit des Seyns?


* über den »Anfang« vgl. Vorlesung Sommersemester 1932 »Der Anfang der abendländischen Philosophie« (Gesamtausgabe Band 35); Rektoratsrede 1933 »Die Selbstbehauptung der deutschen Universität« (Gesamtausgabe Band 16); Freiburger Vortrag 1935 »Vom Ursprung des Kunstwerks«

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