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34. Das Ereignis und die Seinsfrage

Gerade wer die Seinsfrage begriffen und ihre Bahn einmal zu durchmessen wirklich versucht hat, kann von der »Antike« und ihrem Gefolge nichts mehr erhoffen, es sei denn die furchtbare Mahnung, erst wieder das Fragen in den selben Grund der Notwendigkeit zu verlegen, nicht jener erstmaligen, endgültig gewesenen und nur so wesenden. Vielmehr heißt hier »Wiederholung«, das selbe, die Einzigkeit des Seyns, wieder und somit aus einer ursprünglicheren Wahrheit zur Not werden zu lassen. »Wieder« besagt hier gerade: ganz anders. Aber für jene furchtbare Mahnung fehlt noch das Gehör und der Wille zum Opfer, zum Bleiben auf der kaum eröffneten nächsten Strecke der Bahn.

Statt dessen täuscht man sich selbst und die Anderen mit einer lärmenden Schwärmerei für die durch Nietzsche er-littene »Antike« über die eigene Ratlosigkeit hinweg.

Wie steht gegen solches Treiben ζ. B. die Gestalt und das Werk Hermann Lotzes ab, des echtesten Zeugen des leicht und viel gelästerten 19. Jahrhunderts?


34. Das Ereignis und die Seinsfrage


Das Ereignis ist die sich selbst ermittelnde und vermittelnde Mitte, in die alle Wesung der Wahrheit des Seyns im voraus zurückgedacht werden muß. Dieses im voraus dahin Zurückdenken ist das Er-denken des Seyns. Und alle Begriffe vom Seyn müssen von da her gesprochen werden.

Umgekehrt: Alles, was zunächst und in der Not nur im Übergang von der entfalteten Leitfrage zur Grundfrage über das Seyn gedacht und als Weg zu seiner Wahrheit erfragt ist (die Entfaltung des Da-seins), dies alles darf nie in die bodenlose Öde einer bisherigen »Ontologie« und »Kategorienlehre« übersetzt werden.

Die unausgesprochene Ahnung des Ereignisses stellt sich vordergründlich und zugleich in geschichtlicher Erinnerung

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