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38. Die Ersckweigung

Wir können das Seyn selbst, gerade wenn es im Sprung ersprungen wird, nie immittelbar sagen. Denn jede Sage kommt aus dem Seyn her und spricht aus seiner Wahrheit. Alles Wort und somit alle Logik steht unter der Macht des Seyns. Das Wesen der »Logik« (vgl. SS. 34*) ist daher die Sigetik. In ihr erst wird auch das Wesen der Sprache begriffen.

Aber »Sigetik« ist nur ein Titel für jene, die noch in »Fächern« denken und ein Wissen nur dann zu haben glauben, wenn das Gesagte eingeordnet ist.


38. Die Erschweigung


Die fremdwortliche Rede von »Sigetik« in der Entsprechung zur »Logik« (Onto-logie) ist nur übergänglich rückblickend gemeint und keineswegs als die Sucht, die »Logik« zu ersetzen. Denn weil die Frage nach dem Seyn und der Wesung des Seyns steht, ist das Fragen noch ursprünglicher und deshalb noch weniger in ein Schulfach einzusperren und zu ersticken. Wir können das Seyn (Ereignis) nie unmittelbar sagen, deshalb auch nicht mittelbar im Sinne der gesteigerten »Logik« der Dialektik. Jede Sage spricht schon aus der Wahrheit des Seyns und kann sich nie unmittelbar bis zum Seyn selbst überspringen. Die Erschweigung hat höhere Gesetze als jede Logik.

Vollends aber ist die Erschweigung keine A-logik, die ja erst recht Logik ist und sein möchte und nur nicht kann. Wogegen der Wille und das Wissen der Erschweigung ganz anders gerichtet sind. Und ebenso wenig handelt es sich um das »Irrationale« und um »Symbole« und »Chiffren«, alles dieses setzt die bisherige Metaphysik voraus. Wohl dagegen schließt die Erschweigung die Logik der Seiendheit ein, so, wie die Grundfrage die Leitfrage in sich einverwandelt.

Die Erschweigung entspringt aus dem wesenden Ursprung der Sprache selbst.


* Vorlesung Sommersemester 1934 »Über Logik als Frage nach der Sprache« (Gesamtausgabe Band 38)


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)