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II. Der Anklang

mehr waltet? Müßte da nicht eine Not an den Tag und in die Macht kommen, die nötigte? Wohin und wozu ist schwer zu sagen. Aber es wäre doch eine Not und ein Grund der Notwendigkeit. Warum haben wir nicht mehr den Mut zu diesem Rückzug, und warum erscheint er uns sogleich als etwas Unwertiges? Weil wir längst uns im Anschein des Kulturmachens beruhigt haben und ungern darauf verzichten, weil, sobald auch dieses genommen, nicht nur die Notwendigkeit des Tuns, sondern dieses selbst fehlt.

Aber wer jetzt noch ein Schaffender ist, muß diesen Rückzug durchaus vollzogen haben und jener Not begegnet sein, um die Notwendigkeit des Übergangs, ein Übergang und Opfer zu sein, in die innigste Erfahrung aufzunehmen und zu wissen, daß eben dieses nicht Verzicht und Verlorengeben ist, sondern die Kraft zur klaren Entschiedenheit als der Vorbotin des Wesentlichen.


55. Anklang


Der Anklang der Wahrheit des Seyns und seiner Wesung selbst aus der Not der Seinsvergessenheit. Das Anheben dieser Not aus ihrer Tiefe als Notlosigkeit. Die Seinsvergessenheit weiß nicht von ihr selbst, sie vermeint beim »Seienden«, dem »Wirklichen«, zu sein, dem »Leben« nahe und des »Erlebens« sicher. Denn sie kennt nur das Seiende. Doch so, in solcher Anwesung des Seienden, ist dieses vom Seyn verlassen. Die Seinsverlassenheit ist der Grund der Seinsvergessenheit. Die Seinsverlassenheit aber des Seienden trägt vor diesem her den Anschein, als sei dieses selbst nun, unbedürftig eines Anderen, zu Griff und Nutzen. Die Seynsverlassenheit aber ist Ausgeschlossenheit und Verwehrung des Ereignisses.

Aus ihr her muß der Anklang klingen und anheben mit der Entfaltung der Seynsvergessenheit, in der der andere Anfang anklingt und so das Seyn.

GA 65