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58. Was die drei Verhüllungen der Seinsverlassenheit sind ...

da her der Vorrang der Organisation, Verzicht auf eine frei wachsende Wandlung von Grund aus; das Unberechenbare ist hier nur das in der Berechnung noch nicht Bewältigte, an sich aber einst auch Einzufangende; also keineswegs das Außerhalb jeder Rechnung; in »sentimentalen« Augenblicken, die gerade unter der »Herrschaft« der Berechnung nicht selten sind, wird das »Schicksal« und die»Vorsehung« bemüht, aber niemals so, daß von dem, was da angerufen wird, eine gestalterische Kraft ausgehen konnte, die jemals die Sucht zur Berechnung in ihre Grenzen weisen dürfte.

Die Berechnung ist hier gemeint als Grundgesetz des Verhaltens, nicht als die bloße Überlegung und gar Schlauheit eines vereinzelten Tuns, die zu allem menschlichen Vorgehen gehören.

2. Die Schnelligkeit -jeglicher Art; die mechanische Steigerung der technischen »Geschwindigkeiten«, und diese überhaupt nur eine Folge dieser Schnelligkeit; diese das Nicht-aushalten in der Stille des verborgenen Wachsens und der Erwartung; die Sucht nach dem Über-raschenden, immer wieder unmittelbar und anders Fortreißenden und »Schlagenden«; die Flüchtigkeit als Grundgesetz der »Beständigkeit«. Notwendig das rasche Vergessen und Sichverlieren im Nächsten. Von hier aus dann die irrige Vorstellung vom Hohen und »Höchsten« in der Mißgestalt der Höchstleistungen; rein mengenmäßige Steigerung, die Blindheit gegen das wahrhaft Augenblickliche, das nicht flüchtig, sondern die Ewigkeit eröffnend. Für die Schnelligkeit aber ist das Ewige das bloße Andauern des selben, das leere Und-so-weiter; verborgen bleibt die echte Un-ruhe des Kampfes, an ihre Stelle ist getreten die Ruhelosigkeit des stets erfinderischen Betriebes, der von der Angst vor der Langeweile an sich selbst gejagt wird.

3. Der Aufbruch des Massenhaften. Damit nicht nur gemeint die »Massen« in einem »gesellschaftlichen« Sinne; diese kommen nur hoch, weil schon die Zahl gilt und das Berechenbare, d. h. jedermann in gleicher Weise Zugängliche.