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58. Was die drei Verhüllungen der Seinsverlassenheit sind ...

4. die Entblöfßung, Veröffentlichung und Vergemeinerung jeder Stimmung. Dieser hierdurch geschaffenen Verödung entspricht die wachsende Unechtheit jeder Haltung und in eins damit die Entmachtung des Wortes. Das Wort ist nur noch der Schall und die lautstarke Aufpeitschung, bei der es auf einen »Sinn« nicht mehr abgesehen sein kann, weil alle Gesammeltheit möglicher Besinnung genommen und Besinnung überhaupt als etwas Befremdliches und Kraftloses verachtet wird.

All dieses wird umso unheimlicher, je weniger aufdringlich es sich abspielt, je selbstverständlicher es vom Alltag Besitz ergreift und durch neue Formen der Einrichtung gleichsam gedeckt wird.

Die Folge der Stimmungsentblößung, die zugleich Verkleidung der wachsenden Leere ist, zeigt sich vollends in der Unfähigkeit, gerade das eigentliche Geschehen, die Seinsverlassenheit, als stimmende Not zu erfahren, gesetzt selbst, daß sie in gewissen Grenzen gezeigt werden konnte.

5. Alle diese Zeichen der Seinsverlassenheit deuten auf den Beginn des Zeitalters der gänzlichen Fraglosigkeit aller Dinge und aller Machenschaften.

Nicht nur, daß grundsätzlich kein Verborgenes mehr zugestanden wird, entscheidender wird, daß das Sichverbergen als solches in keiner Weise als bestimmende Macht noch Einlaß findet.

Im Zeitalter der gänzlichen Fraglosigkeit werden sich aber gerade die »Probleme« häufen und jagen, jene Art »Fragen«, die keine sind, weil ihre Beantwortung nichts Verbindliches haben dad, sofern sie sogleich wieder zum Problem wird. Eben dieses sagt im voraus: nichts ist unauflösbar und die Auflösung nur Sache der Zahl an Zeit und Raum und Kraft.

6. Nun aber, da das Seiende vom Seyn verlassen ist, ersteht die Gelegenheit fur die platteste »Sentimentalität«. Jetzt erst wird alles »erlebt«, und jedes Unternehmen und jede Veranstaltung