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II. Der Anklang

61. Machenschaft*

In der gewöhnlichen Bedeutung der Name für eine »üble« Art menschlichen Vorgehens und der Anzettelung eines solchen.

Im Zusammenhang der Seinsfrage soll damit nicht ein menschliches Verhalten, sondem eine Art der Wesung des Seins benannt werden. Auch der Beiklang des Abschätzigen ist fernzuhalten, wenngleich die Machenschaft das Unwesen des Seins begünstigt. Aber selbst dieses Unwesen ist, weil wesentlich dem Wesen, nie in eine Abwertung zu setzen. Vielmehr soll der Name sogleich hinweisen auf das Machen (ποίησις τέχνη), was wir zwar als menschliches Verhalten kennen. Allein, dieses ist eben selbst nur möglich auf Grund einer Auslegung des Seienden, in der die Machbarkeit des Seienden zum Vorschein kommt, so zwar, daß die Seiendheit gerade sich bestimmt in der Beständigkeit und Anwesenheit. Daß sich etwas von selbst macht und demzufolge für ein entsprechendes Vorgehen auch machbar ist, das Sich-von-selbst-machen ist die von der τέχνη und ihrem Hinblickskreis aus vollzogene Auslegung der φύσις dergestalt, daß nun schon das Übergewicht in das Machbare und Sich-machende zur Geltung kommt (vgl. das Verhältnis von ἰδέα und τέχνη), was kurz die Machenschaft genannt sei. Allein, in der Zeit des ersten Anfangs, da es zur Entmachtung der φύσις kommt, tritt noch nicht die Machenschaft in ihrem vollen Wesen an den Tag. Sie bleibt verhüllt in der beständigen Anwesenheit, deren Bestimmung in der ἐντελέχεια die höchste Zuspitzung erreicht innerhalb des anfänglichen griechischen Denkens. Der mittelalterliche actus-Begriff verdeckt bereits das anfanglich griechische Wesen der Auslegung der Seiendheit. Damit hängt es zusammen, daß nun das Machenschaftliche sich deutlicher vordrangt und durch das Hereinspielen des jüdisch-christlichen Schöpfungsgedankens und der entsprechenden Gottesvorstellung das ens zum ens creatum wird.Auch wenn man ein grobesAusdeuten der Schöpfungsidee


* vgl. Der Anklang, 70. und 71. Das Riesenhafte