des Anfangs entspricht es, daß »die Zeit« selbst und sie als die Wahrheit des Seins gar nicht des Fragens und Erfahrens gewürdigt werden. Und ebensowenig wird gefragt, warum die Zeit als Gegenwart und nicht auch als Vergangenheit und Zukunft für die Wahrheit des Seins ins Spiel kommt. Dieses Ungefragte verbirgt sich selbst als solches und läßt für das anfängliche Denken einzig das Un-geheure des Aufgehens, der ständigen Anwesung in der Offenheit (ἀλήθεια) des Seienden selbst die Wesung ausmachen. Wesung, ohne als solche begriffen zu werden, ist Anwesung.
Daß uns aus dem ersten Anfang für die wiederholende Besinnung zunächst die Zeit als Wahrheit des Seyns aufleuchtet, sagt nicht, daß die ursprüngliche volle Wahrheit des Seyns nur auf die Zeit gegründet werden könnte. Zwar muß zunächst überhaupt versucht werden, das Wesen der Zeit so ursprünglich (in ihrer »Ekstatik«) zu denken, daß sie als mögliche Wahrheit für das Seyn als solches begreifbar wird. Aber schon dieses Durchdenken der Zeit bringt sie in der Bezogenheit auf das Da des Da-seins mit der Räumlichkeit des Da-seins und somit mit dem Raum in wesentlichen Bezug (vgl. Die Gründung). Aber Zeit und Raum sind hier, an der gewöhnlichen Vorstellung von ihnen gemessen, ursprünglicher und vollends der Zeit-Raum, der keine Verkoppelung, sondern das Ursprünglichere ihrer Zusammengehörigkeit. Dieses aber weist in das Wesen der Wahrheit als lichtende Verbergung. Die Wahrheit des Seyns ist nichts geringeres als das Wesen der Wahrheit, begriffen und gegründet als lichtende Verbergung, das Geschehnis des Da-seins, des Wendungspunktes in der Kehre als sich öffnende Mitte.
96. Die anfängliche Auslegung des Seienden als φύσις
Wie dürftig ist unser Besitzstand an echtem Denkvermögen, daß wir die Einzigkeit dieses Entwurfs gar nicht mehr ermessen
Contributions to Philosophy (of the Event) p. 148