höchste Selbstgewißheit erreicht. Die Verirrung dieses deutschen Idealismus, wenn überhaupt in diesen Bereichen so geurteilt werden kann, Hegt nicht darin, daß er zu »lebensfern« war, sondern umgekehrt ganz und völlig in der Bahn des neuzeitlichen Daseins und des Christentums sich bewegte, statt über das »Seiende« hinweg die Seinsfrage zu stellen. Der deutsche Idealismus war zu lebens-nah und zeitigte in gewisser Weise selbst die ihn ablösende Unphilosophie des Positivismus, der jetzt seine biologistischen Triumphe feiert.
104. Der deutsche Idealismus
Hier wird die Wahrheit zu der in ein unbedingtes Vertrauen zum Geist und so erst als Geist in seiner Absolutheit sich entfaltenden Gewißheit. Das Seiende ist völlig in die Gegenständlichkeit verlegt, die mitnichten dadurch überwunden ist, daß sie »aufgehoben« wird; im Gegenteil, sie breitet sich aus auf das vorstellende Ich und den Bezug des Vorstellens des Gegenstandes und des Vorstellens der Vorstellung. Die Machenschaft als Grundcharakter der Seiendheit rückt jetzt in die Gestalt der Subjekt-Objekt-Dialektik, die als absolute alle Möglichkeiten aller bekannten Bereiche des Seienden ausspielt und zusammenordnet. Hier ist noch einmal die durchlaufende Sicherung gegen alle Unsicherheit versucht, das endgültige Fußfassen in der Richtigkeit der absoluten Gewißheit, unwissentlich das Ausweichen vor der Wahrheit des Seyns. Von hier führt keine Brücke in den anderen Anfang. Aber wir müssen gerade dieses Denken des deutschen Idealismus wissen, weil es die machenschaftliche Macht der Seiendheit in die äußerste, unbedingte Entfaltung bringt (die Bedingtheit des ego cogito in das Unbedingte erhebt) und das Ende vorbereitet.
Die Selbstverständlichkeit des Seins ist jetzt, statt in die Plattheit einer unmittelbaren Evidenz gelegt, in den Reichtum