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108. Die metaphysischen Grundstellungen ...

lauter grundlose Scheinfragen, solange die unerkannte Grundlage der Leitfrage und die Scheidung der Disziplinen wie etwas Selbstverständliches im Ansatz festgehalten werden. Vollends steigert sich die Verwirrung, wenn gar versucht wird, mit Hilfe der fundamentalontologisch erwachsenen »ontologischen« Differenz zu einer Lösung der Frage zu kommen. Denn diese »Differenz« ist ja nur Ansatz nicht in Richtung auf die Leitfrage, sondern zum Sprung in die Grundfrage, nicht, um mit nunmehr festen Marken (Seiendes und Sein) unklar zu spielen, sondern um in die Frage nach der Wahrheit der Wesung des Seyns zurückzugehen und damit den Bezug von Seyn und Seiendem anders zu fassen, zumal auch das Seiende als solches eine verwandelte Auslegung (Bergung der Wahrheit des Ereignisses) erfährt und keine Möglichkeit mehr besteht, unversehens doch »dasSeiende« als »vorgestellten Gegenstand« oder »Vorhandenes an sich« und dgl. einzuschmuggeln.


108. Die metaphysischen Grundstellungen innerhalb der Geschichte der Leitfrage und die ihnen jeweils zugehörige Auslegung des Zeit-Raums*


1. Wie Raum und Zeit erfahren und begriffen, benannt im ersten Anfang; was heißt hier »mythische« Deutung?

2. Wie beide selbst in den Bereich des Seienden als des beständig Anwesenden einrücken und z. T. ein μὴ ὄν.

3. Daß hier der Wahrheitsbereich für das Sein verschlossen und unbekannt bleibt.

4. Inwiefern keine Möglichkeit und keine Notwendigkeit, Raum und Zeit (Ort und Jetzt) in ihren Ursprung (zugehörig zur ἀλήθεια) zurückzudenken.

5. Wodurch dann Raum und Zeit zu Rahmenvorstellungen werden auf dem Weg ihrer Auslegung im Hinblick auf μέγεθος.


* vgl. Die Gründung


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65