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IV. Der Sprung

Vielmehr erringen wir die Einzigkeit der Schwingung in ihrem reinen Sichverbergen je nur im Einsprung, wissend, daB wir da nicht das »Letzte« erlangen, sondem die Wesung der Stille, das Endlichste und Einzigste als Augenblicksstätte der großen Entscheidung über den Ausbleib und die Ankunft der Götter und darin erst die Stille der Wacht für den Vorbeigang des letzten Gottes.

Die Einzigkeit des Seyns (als Ereignis), die Unvorstellbarkeit (kein Gegenstand), die höchste Befremdlichkeit und das wesentliche Sichverbergen, das sind Weisungen, denen folgend wir uns zuerst bereit machen müssen, um entgegen der Selbstverständlichkeit des Seyns das Seltenste zu erahnen, in dessen Offenheit wir stehen, auch wenn unser Menschsein zumeist das Weg-sein betreibt.

Jene Weisungen sprechen nur an, wenn wir zumal die Not der Seinsverlassenheit ausstehen und uns der Entscheidung über den Ausbleib und die Ankunft der Götter stellen.

Inwiefern jene Weisungen die Grundstimmung der Verhaltenheit erwirken und inwiefern die Verhaltenheit zur Fügsamkeit gegen jene Weisungen stimmt.


134. Der Bezug von Da-sein und Seyn


In »Sein und Zeit« erstmals begriffen als »Seinsverständnis«, wobei Verstehen als Entwurf zu fassen und die Entwerfung als geworfene und das will sagen zugehörig der Er-eignung durch das Seyn selbst.

Verkennen wir aber zuvor die Befremdlichkeit und Einzigkeit (Unvergleichbarkeit) des Seyns und in eins damit das Wesen des Da-seins, dann verfallen wir allzu leicht der Meinung, dieser »Bezug« entspräche oder sei gar gleichzusetzen demjenigen zwischen Subjekt und Objekt. Doch Da-sein hat alle Subjektivität überwunden, und Seyn ist niemals Objekt und Gegenstand, Vor-stellbares; gegenstandsfähig ist immer nur Seiendes und auch hier nicht jedes.

GA 65