145. Das Seyn und das Nichts
In der ganzen Geschichte der Metaphysik, d. h. überhaupt im bisherigen Denken, wird das »Sein« immer als Seiendheit des Seienden und so als dieses selbst begriffen. Noch heute geht bei allen »Denkern« die Gleichsetzung von Sein und Seiendem und zwar auf Grund einer Unkraft des Unterscheidens aller Philosophie gleichsam voran.
Dementsprechend wird das Nichts immer als das Nichtseiende gefaßt und somit als Negativum. Setzt man gar das »Nichts« in diesem Sinne als Ziel, dann ist der »pessimistische Nihilismus« fertig und die Verachtung aller schwächlichen »Nichts Philosophie« ins Recht gesetzt und vor allem: man ist von jedem Fragen entlastet, welche Entlastung zu betreiben die »heroischen Denker« auszeichnet.
Mit all dem hat mein Fragen nach dem Nichts, das aus der Frage nach der Wahrheit des Seyns entspringt, nicht das Mindeste gemein. Das Nichts ist weder negativ, noch ist es »Ziel«, sondern die wesentliche Erzitterung des Seyns selbst und deshalb seiender als jegliches Seiende.
Wenn in »Was ist Metaphysik?« der Satz aus Hegels Logik angeführt ist: »Sein und Nichts ist dasselbe«, so bedeutet das und kann nur bedeuten eine Entsprechung für die Zusammenbringung von Sein und Nichts überhaupt. Aber gerade für Hegel ist nicht nur das »Seyn« eine bestimmte, erste Stufe dessen, was künftig unter Seyn zu denken ist, sondern dieses Erste ist als das [/«-bestimmte, Z7/z-mittelbare eben schon die reine Negativität der Gegenständlichkeit und des Denkens (Seiendheit und Denken).
So schwer es der Zukunft werden wird, vom Denken der »Metaphysik« sich loszumachen, so unzugänglich wird ihr zunächst das »Nichts« bleiben, das höher ist als alles »Positive« und »Negative« des Seienden zusammengerechnet.
Das denkerische Fragen muß erst eine Ursprünglichkeit an Ja-sagender Kraft erreicht haben, die wesentlich über alle Optimismen