283
161. Das Sein zum Tode

Der Zusammenstoß von Notwendigkeit und Möglichkeit. Nur in solchen Bezirken läßt sich erahnen, was in Wahrheit zu dem gehört, was die »Ontologie« als das blasse und leere Gemengsei der »Modalitäten« behandelt.



161. Das Sein zum Tode


Was damit im Zusammenhang von »Sein und Zeit« und nur da, d. h. »fundamentalontologisch«, niemals anthropologisch und »weltanschaulich« gedacht, i;or-gedacht ist, hat noch Keiner geahnt und nachzudenken gewagt.

Die Einzigkeit des Todes im Da-sein des Menschen gehört in die ursprünglichste Bestimmung des Da-seins, nämlich vom Seyn selbst er-eignet zu werden, um seine Wahrheit (Offenheit des Sichverbergens) zu gründen. In der Ungewöhnlichkeit und Einzigkeit des Todes eröffnet sich das Ungewöhnlichste in allem Seienden, das Seyn selbst, das als Befremdung west. Aber um von diesem ursprünglichsten Zusammenhang überhaupt etwas ahnen zu können aus dem gewöhnlichen und vernutzten Standort des gemeinen Meinens und Rechnens her, mußte zuvor in aller Schärfe und Einzigkeit der Bezug des Da-seins zum Tode selbst, der Zusammenhang zwischen Entschlossenheit (Eröffnung) und Tod, das Vor-laufen sichtbar gemacht werden. Aber dieses Vor-laufen zum Tode doch nicht, damit das bloße »Nichts« erreicht werde, sondern umgekehrt, damit sich die Offenheit für das Seyn ganz und aus dem Äußersten öffne.

Es ist aber ganz in der Ordnung, daß, wenn hier nicht »fundamentalontologisch« in Absicht auf die Gründung der Wahrheit des Seyns gedacht wird, die schlimmsten und ungereimtesten Mißdeutungen sich einschleichen und breitmachen und natürlich eine »Philosophie des Todes« zurechtgemacht wird.

Die Mißdeutungen gerade dieses Abschnittes in »Sein und Zeit« sind das deutlichste Zeichen für das noch in voller Blüte stehende Unvermögen, die dort vorbereitete Fragestellung


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65