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165. Wesen als Wesung

in dem beide nicht vorhandene Pole sind, sondern die reine Erschwingung selbst.

Die Einzigkeit dieses und das Unvorstellbare im Sinne eines nur Anwesenden ist die schärfste Abwehr der Bestimmungen der Seiendheit als ἰδέα und γένος, Bestimmungen, die anfänglich notwendig sind, wenn vom »Seienden« als φύσις her der Aufbruch zum Seyn erstmals geschieht.


165. Wesen als Wesung*


Das »Wesen« nicht mehr das κοινόν und γένος der οὐσία und des τόδε τι (ἔκαστον), sondern Wesung als das Geschehnis der Wahrheit des Seyns und zwar in seiner vollen Geschichte, die jeweils die Bergung der Wahrheit in das Seiende einbegreift.

Da aber die Wahrheit gegründet werden muß im Da-sein, kann die Wesung des Seyns nur in der Beständigkeit errungen werden, die das Da aussteht in dem so bestimmten Wissen.

Das Wesen als Wesung ist nie nur vor-stellbar, sondern wird nur gefaßt im Wissen der Zeit-Räumlichkeit der Wahrheit und ihrer jeweiligen Bergung.

Das Wesens-Wissen verlangt und ist selbst der Einsprung in das Da-sein. Daher kann es durch bloße allgemeine Betrachtung des Gegebenen und seiner schon gefestigten Auslegung nie gewonnen werden.

Die Wesung liegt nicht »über« dem Seienden und von ihm getrennt, sondern das Seiende steht im Seyn und hat nur in ihm, hereinstehend und weggehoben, seine Wahrheit als das Wahre.

In eins mit diesem Begriff der Wesung muß nun auch die »Unterscheidung« von Seyn und Seiendem angesetzt und begriffen werden und all das, was auf die Unterscheidung gegründet wird, sofern auf die »Seite« der Seiendheit alles »Kategoriale« und »Ontologische« fällt.

* vgl. »die Unterscheidung«


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

Contributions to Philosophy (of the Event) pp. 225-226

GA 65