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177. Das Da-sein

sein ist auch kein Charakter des Menschen, als werde jetzt gleichsam nur der sonst bis dahin auf alles Seiende sich erstrekkende Name eingeschränkt in die Bezeichnungsrolle für das Vorhandensein des Menschen.

Gleichwohl stehen Da-sein und Mensch in einem wesentlichen Bezug, sofern das Da-sein den Grund der Möglichkeit des künftigen Menschseins bedeutet und der Mensch künftig ist, indem er das Da zu sein übernimmt, gesetzt, daß er sich als den Wächter der Wahrheit des Seyns begreift, welche Wächterschaft angezeigt ist als die »Sorge«. »Grund der Möglichkeit« ist noch metaphysisch gesprochen, aber aus der abgründig-inständigen Zugehörigkeit gedacht.

Das Da-sein im Sinne des anderen Anfangs ist das uns noch ganz Befremdliche, das wir nie vorfinden, das wir allein erspringen im Einsprung in die Gründung der Offenheit des Sichverbergenden, jener Lichtung des Seyns, in die der künftige Mensch sich stellen muß, um sie offen zu halten.

Aus dem Da-sein in diesem Sinne wird das Dasein als Anwesenheit des Vorhandenen erst »verständlich«, d. h. die Anwesenheit erweist sich als eine bestimmte Aneignung der Wahrheit des Seyns, wobei die Gegenwärtigkeit gegenüber der Gewesenheit und Künftigkeit eine bestimmt ausgedeutete Bevorzugung erfahren hat (verfestigt in die Gegenständlichkeit, Objektivität für das Subjekt).

Das Da-sein als die Wesung der Lichtung des Sichverbergens gehört zu diesem Sichverbergen selbst, das als das Er-eignis west.

Alle Bereiche und Hinsichten der Metaphysik versagen hier und müssen versagen, wenn das Da-sein denkerisch gefaßt werden soll. Denn die »Metaphysik« fragt vom Seienden her (in der anfänglichen und d. h. endgültigen Auslegung der φύσις) nach der Seiendheit und läßt die Wahrheit dieser und d. h. die Wahrheit des Seyns notwendig ungefragt, άλήϋεια selbst ist die erste Seiendheit des Seienden, und selbst diese bleibt unbegriffen.


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65