196. Da-sein und Volk*
Nur vom Da-sein her ist das Wesen des Volkes zu begreifen und d. h. zugleich jenes zu wissen, daß das Volk nie Ziel und Zweck sein kann und daß solches Meinen nur eine »völkische« Ausweitung des »liberalen« »Ich«-gedankens und der wirtschaftlichen Vorstellung der Erhaltung des »Lebens« ist.
Das Wesen des Volkes aber ist seine »Stimme«. Diese Stimme spricht gerade nicht im sogenannten unmittelbaren Erguß des gemeinen, natürlichen, unverbildeten und ungebildeten »Mannes«. Denn dieser so angerufene Zeuge ist bereits sehr verbildet und bewegt sich längst nicht mehr in den ursprünglichen Bezügen zum Seienden. Die Stimme des Volkes spricht selten und nur in Wenigen, und ob sie noch zum Klingen zu bringen ist?
197. Da-sein - Eigentum — Selbstheit**
Das Selbstsein ist Wesung des Da-seins, und das Selbstsein des Menschen vollzieht sich erst aus der Inständigkeit im Da-sein. Das »Selbst« pflegt man zu begreifen einmal in dem Bezug eines Ich auf »sich«. Dieser Bezug wird als ein vorstellender genommen. Und schließlich wird die Selbigkeit des Vorstellenden mit dem Vorgestellten als Wesen des »Selbst« gefaßt. Auf diesem und entsprechend abgewandelten Wegen ist jedoch das Wesen des Selbst nie zu erreichen.
Denn zuvor ist es keine Eigenschaft des vorhandenen Menschen und mit dem Ichbewußtsein nur scheinbar gegeben. Woher dieser Schein kommt, kann nur aus dem Wesen des Selbst geklärt werden.
Selbstheit entspringt als Wesung des Da-seins aus dem Ursprung des Da-seins. Und der Ursprung des Selbst ist das
* vgl. Die Zukünftigen
** vgl. Vorblick, 16. Philosophie (Besinnung als Selbstbesinnung)