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198. Gründung des Da-seins als Er-gründung

Umgekehrt ist die Zerstreuung des Ich, Du und Wir und die Zerbröckelung und Vermassung kein bloßes Versagen des Menschen, sondern das Geschehnis der Ohnmacht, das Eigentum zu bestehen und zu wissen, die Seinsverlassenheit.

Selbst-sein — damit meinen wir zunächst immer: das von sich aus Tun und Lassen und Verfügen. Aber das »Von sich aus« ist täuschender Vordergrund. Von sich aus kann bloßer »Eigensinn« sein, dem alle Zu-eignung und Übereignung aus dem Ereignis abgeht.

Die Schwingungsweite des Selbst richtet sich nach der Ursprünglichkeit des Eigentums und damit nach der Wahrheit des Seyns.

Verstoßen aus ihr und taumelnd in der Seinsverlassenheit wissen wir wenig genug um das Wesen des Selbst und um die Wege zu echtem Wissen. Denn allzu hartnäckig ist der Vorrang des »Ich«bewußtseins, zumal dieses in mannigfache Gestalten sich verstecken kann. Die gefährlichsten sind jene, in denen das weltlose »Ich« sich scheinbar aufgegeben und hingegeben hat an ein Anderes, das »größer« ist als es und dem es stückhaft oder gliedweise zugewiesen ist. Die Auflösung des »Ich« in »das Leben« als Volk, hier ist eine Überwindung des »Ich« angebahnt unter Preisgabe der ersten Bedingung einer solchen, nämlich der Besinnung auf das Selbst-sein und sein Wesen, das sich bestimmt aus der Zueignung und Übereignung.

Die Selbstheit ist die aus der Ereignung aufgefangene und sie ausstehende Erzitterung der Widerwendigkeit des Streites in der Erklüftung.


198. Gründung des Da-seins als Er-gründung*


Da-sein läßt sich nie auf-weisen und beschreiben wie ein Vorhandenes. Nur hermeneutisch zu gewinnen, d. h. aber nach »Sein und Zeit« im geworfenen Entwurf. Daher nicht beliebig.


* Grund wesen lassen; das Ereignis der Grund

GA 65