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V. Die Gründung

Weg-sein ist der ursprünglichere Titel für die Uneigentlichkeit des Da-seins.

Das Weg-sein, diese vom »Da« her gesehene und zu ihm gehörige Weise der Betreibung des Vorhandenen.

Aber außerdem muß nun gerade gegründet werden das Menschsein als jenes, was Da-sein wiederum verwahrt und entfaltet und die Schaffenden vor-bereitet und bekämpft.



202. Das Da-sein

(Weg-sein)


Das Da »ist« der Mensch nur als geschichtlicher, d. h. geschichte-gründender und inständig im Da in der Weise der Bergung der Wahrheit im Seienden.

Das Da-sein inständlich allein zu bestehen in der höchsten schaffenden und d. h. zugleich er-leidenden Durchmessung der weitesten Entrückungen.

Zum Da gehört als sein Äußerstes jene Verborgenheit in seinem eigensten Offenen, das Weg, als ständige Möglichkeit das Weg-sein; der Mensch kennt es in den verschiedenen Gestalten des Todes. Wo aber Da-sein erstmals begriffen werden soll, muß der Tod bestimmt sein als die äußerste Möglichkeit des Da. Wenn hier von »Ende« gesprochen wird und zuvor in aller Schärfe Da-sein gegen jegliche Art von Vorhandensein abgegrenzt ist, dann kann »Ende« hier niemals meinen das bloße Aufhören und Verschwinden eines Vorhandenen. Wenn Zeit gerade als Zeitlichkeit Entrückung ist, dann heißt hier »Ende« ein Nein und Anderes dieser Entrückung, eine völlige Verrükkung des Da als solchen in das » Weg«.

Und Weg meint wieder nicht das »Fort« der bloßen Abwesenheit eines vormals Vorhandenen, sondern ist das völlig Andere des Da, uns ganz verborgen, aber in dieser Verborgenheit zum Da wesentlich gehörig und in der Inständigkeit des Da-seins mit zu bestehen.


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

Contributions to Philosophy (of the Event) pp. 256-257

GA 65