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227. Vorn Wesen der Wahrheit

zeichnend geschichtliche Einmalige dieser Inständigkeit, daß hier zuerst und allein über das »Wahre« entschieden wird. Welche Beständigkeit hat diese Inständigkeit? Oder anders gefragt: Wer vermag und wann und wie das Da-sein zu sein?

Was vermag hier zur Bereitung dieses Seins die anfängliche Besinnung des denkerischen Sagens?

Warum muß in diesem Augenblick dieses jetzt und d. h. das fragende Wissen den Anstoß bringen?

Inwiefern ist jetzt erst der schon vorausgegangene Dichter, Hölderlin, in seinem einzigsten Dichtertum und Werk unsere Notwendigkeit ?



227. Vom Wesen der Wahrheit*


1. West Wahrheit und warum? Weil nur so Wesung des Seyns. Warum Seyn?

2. Das Wesen der Wahrheit gründet die Notwendigkeit des Warum und damit des Fragens.
Die Frage nach der Wahrheit geschieht des Seyns wegen, das die Zugehörigkeit von uns als das Dasein Gründenden braucht.

3. Die erste Frage (1) ist in sich die Wesensbestimmung der Wahrheit.

4. Wie die Frage nach der Wahrheit anzusetzen ist.
Ausgehen von der wesentlichen Zweideutigkeit: die »Wahrheit« gemeint als »das Wahre«; das Wahre aber ist die Wahrheit als lichtende Verbergung des Ereignisses.
Dies Lichte zu Anfang eine Helle, aber ohne Glanz und Strahlung. Die Verbergung selbst um so heller, durchscheinend die Tiefe der Verborgenheit.

5. Wie der lang überlieferte Begriff der Wahrheit als Richtigkeit nicht nur die Frage zunächst leitet, sondern auch nahelegt,


* vgl. Vortrag 1930 »Vom Wesen der Wahrheit«; Anmerkungen zu »Sein und Zeit« § 44

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