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241. Raum und Zeit - der Zeit-Raum

Der Raum ist von der Zeit grundverschieden. Daß der Raum in bestimmter Hinsicht vorgestellt wird als ordo und als Rahmenfeld des Mitzusammenvorhandenen, weist darauf hin, daß der so vorgestellte Raum in einer Gegenwärtigung (bestimmten Zeitlichkeit) vor-stellbar wird. Das sagt jedoch gar nichts darüber, was der Raum selbst ist. Es besteht kein Grund, ihn auf die »Zeit« zurückzuführen, weil die Vor-stellung des Raumes eine Zeitigung ist. Vielmehr sind beide nicht etwa nur in der Anzahl der gewöhnlich gemeinten »Dimensionen« verschieden, von Grund aus eigensten Wesens, und nur kraft dieser äußersten Verschiedenheit weisen sie zurück in ihren Ursprung, den Zeit-Raum. Je reiner das Eigenwesen beider gewahrt ist und je tiefer der Ursprung gelegt wird, um so eher glückt das Fassen ihres Wesens als Zeit-Raum, zugehörig dem Wesen der Wahrheit als lichtendem Grund für die Verbergung.

1. Sowenig wie die gewöhnliche Vorstellung von »Zeitraum« das trifft, was Zeit-Raum meint, ja auch nur ein Ausgang sein könnte für den Weg zum Wesen des Zeit-Raumes,

2. sowenig ist der Zeit-Raum nur eine Verkoppelung von Raum und Zeit in dem Sinn, daß Zeit als (t) der Rechnung genommen zum vierten Parameter gemacht wird und damit der vierdimensionale »Raum« der Physik angesetzt ist. Hier sind Raum und Zeit nur zusammengespannt, nachdem beide zuvor auf das Gleiche des Zählbaren und Zählung Ermöglichenden eingeebnet sind.

3. Aber Zeit-Raum ist auch in einem anderen etwa denkbaren Sinn nur eine Verkoppelung, etwa daß jedes geschichtliche Vorkommnis irgendwann und irgendwo und somit zeiträumlich bestimmt wäre.

Vielmehr ist die Einheit die des Ursprungs und dieser nur zu verfolgen, wenn

1. das Wesen beider als je eigenes geklärt ist und


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)