380
V. Die Gründung

ausgezeichneten Weise in das Offene, nämlich in das erst Offene jener Leere, die somit eine bestimmte ist. Sofern der Grund auch und gerade im Abgrund noch gründet und doch nicht eigentlich gründet, steht er in der Zögerung.

Ab-grund ist die zögernde Versagung des Grundes. In der Versagung öffnet sich die ursprüngliche Leere, geschieht die ursprüngliche Lichtung, aber die Lichtung zugleich, damit sich in ihr die Zögerung zeige.

Der Ab-grund ist die erstwesentliche lichtende Verbergung, die Wesung der Wahrheit.

Da aber die Wahrheit die lichtende Verbergung des Seyns ist, ist sie als Ab-grund zuvor Grund, der nur gründet als das tragende Durchragenlassen des Ereignisses. Denn die zögernde Versagung ist der Wink, in dem das Da -sein, eben das Beständnis der lichtenden Verbergung, erwunken wird, und das ist die Schwingung der Kehre zwischen Zuruf und Zugehörigkeit, die Er-eignung, das Seyn selbst.

Die Wahrheit gründet als Wahrheit des Ereignisses. Dieses ist daher von der Wahrheit als Grund her begriffen: der Ur-grund. Der Ur-grund öffnet sich als Sichverbergendes nur im Ab-grund. Der Abgrund jedoch wird völlig verstellt durch den Un-grund (vgl. unten).

Der Ur-grund, der gründende, ist das Seyn, aber je wesend in seiner Wahrheit.

Je gründlicher der Grund (das Wesen der Wahrheit) ergründet wird, um so wesentlicher west das Seyn.

Die Ergründung des Grundes muß aber den Sprung in den Ab-grund wagen und den Ab-grund selbst ermessen und bestehen.

Der Ab-grund als Weg-bleiben des Grundes in dem genannten Sinn ist die erste Lichtung des Offenen als der »Leere«.

Aber welche Leere ist hier gemeint? Nicht jenes Unbesetzte der Ordnungsformen und Rahmen für das berechenbare Vorhandene von Raum und Zeit, nicht die Abwesenheit von Vorhandenem innerhalb dieser, sondern die zeit-räumliche Leere,

GA 65