382
582 V. Die Gründung

Die »Leere« ist auch nicht die bloße Unbefriedigung einer Erwartung und eines Wünschens. Sie ist nur als Da-sein, d. h. als die Verhaltenheit (vgl. Vorblick, 13. Die Verhaltenheit), das Ansichhalten vor der zögernden Versagung, wodurch der Zeit-Raum als die Augenblicksstätte der Entscheidung sich gründet.

Die »Leere« ist ebenso und eigentlich die Fülle des Nochunentschiedenen, zu Entscheidenden, das Ab-gründige, auf den Grund, die Wahrheit des Seins, Weisende.

Die »Leere« ist die erfüllte Not der Seinsverlassenheit, aber diese schon in das Offene gerückt und somit auf die Einzigkeit des Seyns und dessen Unerschöpflichkeit bezogen.

Die »Leere« nicht als das Mitgegebene einer Bedürftigkeit, deren Not, vielmehr die Not der Verhaltenheit, die in sich aufbrechender Entwurf ist, die Grundstimmung der ursprünglichsten Zugehörigkeit.

Die Benennung als »Leere« für das, was sich in der Er-eignung der Verhaltenheit zur zögernden Versagung öffnet, ist daher nicht angemessen und immer noch zu sehr aus der schwer überwindbaren Ausrichtung am Dingraum und der Vorgangszeit bestimmt.

Das Sichöffnende für die Verbergung ist ursprünglich die Ferne der Unentscheidbarkeit darüber, ob der Gott von uns weg oder auf uns zu sich bewegt. Das will sagen: in dieser Ferne und ihrem Unentscheidbaren zeigt sich die Verbergung von Jenem, was wir dieser Eröffnung zufolge den Gott nennen.

Diese »Ferne« der Unentscheidbarkeit ist vor jedem ausgesonderten »Raum« und jeder abgehobenen verlaufenden Zeit. Sie west auch vor aller Dimensionalität. Solches entspringt erst aus der Bergung der Wahrheit und somit des Zeit-Raumes im Seienden und zwar zunächst im dinghaft Vorhandenen und Umschlagenden.

Nur wo ein Vorhandenes festgehalten wird und festgelegt wird, entspringt der an ihm vorbeifließende Fluß der »Zeit« und der es umgebende »Raum«.


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65