408
VII. Der letzte Gott

Anruf auf den Zu-sprung in die Ereignung ist die große Stille des verborgensten Sichkennens.

Von hier nimmt alle Sprache des Da-seins ihren Ursprung und ist deshalb im Wesen das Schweigen (vgl. Verhaltenheit, Ereignis, Wahrheit und Sprache).

Das Ereignis »ist« so die höchste Herrschaft als Widerkehre über Zukehr und Flucht der gewesenen Götter. Der äußerste Gott bedarf des Seyns.

Der Zuruf ist Anfall und Ausbleib im Geheimnis der Ereignung.

In der Kehre spielen die Winke des letzten Gottes als Anfall und Ausbleib der Ankunft und Flucht der Götter und ihrer Herrschaftsstätte.

In diesen Winken wird das Gesetz des letzten Gottes zugewunken, das Gesetz der großen Vereinzelung im Da-sein, der Einsamkeit des Opfers, der Einzigkeit der Wahl der kürzesten und steilsten Bahn.

Im Wesen des Winkens liegt das Geheimnis der Einheit innigster Näherung in der äußersten Entfernung, die Ausmessung des weitesten Zeit-Spiel-Raumes des Seyns. Dieses Äußerste der Wesung des Seyns fordert das Innerste der Not der Seins Verlassenheit.

Diese Not muß zugehörig sein dem Zuruf der Herrschaft jenes Winkens. Was in solcher Hörigkeit aufklingt und Weite bereitet, vermag erst dem Streit von Erde und Welt, der Wahrheit des Da, durch dieses die Augenblicksstätte der Entscheidung und so der Bestreitung und somit der Bergung im Seienden zubereiten.

Ob dieser Zuruf des äußersten Winkens, die verborgenste Ereignung, je noch offen geschieht oder ob die Not verstummt und alle Herrschaft ausbleibt und ob, wenn der Zuruf geschieht, er dann noch vernommen wird, ob der Einsprung in das Dasein und damit aus dessen Wahrheit die Kehre noch Geschichte wird, darin entscheidet sich die Zukunft des Menschen. Er mag noch jahrhundertelang mit seinen Machenschaften


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

Contributions to Philosophy (of the Event) p. 323