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VIII. Das Seyn

welchen »Eigenschaften« und »Vermögen« des Menschen zu nehmen, ζ. B. zur Vernunft. Abgesehen davon, daß diese selbst nicht mehr aufhellen, sie sind ja ihrerseits erst erwachsen auf dem unerkannten Grund der Bestimmung des Menschen als des Vernehmenden und so bereits Zurückgekehrten aus dem Loswurf.

Wenn so jeder erklärende Anhalt versagt bleibt, wie soll dann dieses Erste, das Wesen des Menschen Bestimmende gesagt werden? Wir dürfen nicht den Menschen vorgegeben nehmen in den bisher bekannten Eigenschaften und jetzt an ihm nach dem Loswurf suchen, sondern: das Sichloswerfen selbst muß uns erst das Wesen des Menschen gründen. Wie aber dies? Sichloswerfen, das Offene wagen, weder einem Gegenüber noch sich gehören und doch beides, aber nicht wie Objekt und Subjekt, als Ent-gegnend im Offenen wissen und ahnen, daß, was sich da loswirft und wovon es sich loswirft, desselben Wesens ist wie das Gegenüber.

Die Ent-gegnung ist der Grund der Begegnung, die hier noch gar nicht gesucht wird.

Die Ent-gegnung ist das Aufreißen des Zwischen, in das zu das Gegeneinander, als eines Offenen bedürftiges, geschieht.

Was aber gehört hier zum »Menschen«, und was ist das Zurückgelassene? Im Sichloswerfen gründet er sich in Jenes, was er nicht zu machen, sondern nur als Möglichkeit zu wagen vermag, in das Da-sein.

Dies freilich nur, wenn er nicht und nie mehr zu sich zurückkehrt als einem, der im ersten Loswurf erschienen ist wie das Gegenüber, als φύσει ὄν, als ein ζῷον.

Dieses gilt es: den Loswurf und die Gründung des Wesens des Menschen in der Befremdung des Offenen. Jetzt erst fängt die Seinsgeschichte und die Geschichte des Menschen an. Und das Seiende? Kommt zu seiner Wahrheit nicht mehr in einer Rückkehr, sondern? Als die Verwahrung des Fremden, und der Fremde bringt es sich der Er-eignung entgegen und läßt in ihm den Gott sich finden.

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