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266. Das Seyn und die »ontologische Differenz«...

nicht sein will. Mit ihr ist nur Jenes genannt, was die ganze Geschichte der Philosophie trägt und als dieses Tragende für sie als Metaphysik nie das zu Erfragende und deshalb zu Nennende sein konnte. Sie ist ein Übergängliches im Übergang vom Ende der Metaphysik zum anderen Anfang.

Daß aber diese Unterscheidung genannt werden kann als das Bereichsgefüge der abendländischen Metaphysik und daß sie in dieser unbestimmten Form genannt werden muß, hat seinen Grund in der anfänglichen Geschichte des Seyns selbst. In der φύσις hegt es beschlossen, daß für das allgemeinste Vorstellen (Denken) das Sein das ständigste Anwesendste und als dieses gleichsam die Leere der Gegenwärtigkeit selbst ist. Sofern das Denken sich in die Herrschaft der »Logik« begeben hat, wird dieses Gegenwärtige alles Anwesenden (Vorhandenen) zum Allgemeinsten und trotz der Abwehr des Aristoteles, daß es nicht γένος sei, zum »Generellsten« gemacht. Bedenken wir diese geschichtliche Herkunft der ontologischen Differenz aus der Seinsgeschichte selbst, dann zwingt das Wissen dieser Herkunft bereits zu einer Vorferne der Zugehörigkeit in die Wahrheit des Seins, zur Erfahrung, daß wir, von der »ontologischen Differenz« in allem Menschsein als Bezug zum Seienden getragen, der Macht des Seyns hiedurch wesentlicher ausgesetzt bleiben als in jedem noch so »lebensnahen« Bezug zu irgend einem »Wirklichen«.

Und dieses, die Durchstimmtheit des Menschen vom Seyn selbst, muß zur Erfahrung gebracht werden durch die Nennung der »ontologischen Differenz«; dann nämlich, wenn die Seinsfrage selbst als Frage erweckt werden soll. Andererseits aber, im Hinblick auf die Überwindung der Metaphysik (das geschichtliche Zuspiel des ersten und des anderen Anfangs), muß die »ontologische Differenz« in ihrer Zugehörigkeit zum Da-sein deutlich gemacht werden; von da aus gesehen rückt sie in die Form einer, ja der »Grundstruktur« des Da-seins selbst.

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