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VIII. Das Seyn

267. Das Seyn*
(Ereignis)


Das Seyn ist das Er-eignis. Dieses Wort nennt das Seyn denkerisch, gründet seine Wesung in ihr eigenes Gefüge, das sich in der Mannigfaltigkeit der Ereignisse anzeigen läßt.

Ereignis ist:

1. die Er-eignung, daß in der Notschaft, aus der die Götter des Seyns bedürfen, dieses zur Gründung seiner ihm eigenen Wahrheit das Da-sein er-nötigt und so das Zwischen, die Er-eignung des Daseins durch die Götter und die Zueignung der Götter zu ihnen selbst zum Er-eignis wesen läßt.

2. Das Ereignis der Er-eignung schließt in sich die Entscheidung: daß die Freiheit als der abgründige Grund eine Not erstehen läßt, aus der als dem Überschwung des Grundes die Götter und der Mensch in die Geschiedenheit hervorkommen. 3. Die Er-eignung als Ent-scheidung bringt den Geschiedenen die Ent-gegnung: daß dieses Zu-einander der weitesten nothaften Entscheidung im äußersten »Gegen« stehen muß, weil es den Ab-grund des gebrauchten Seyns überbrückt.

4. Die Ent-gegnung ist der Ursprung des Streites, der west, indem er das Seiende seiner Verlorenheit in die bloße Seiendheit entsetzt. Die Entsetzung kennzeichnet das Er-eignis in seinem Bezug zum Seienden als solchem. Die Er-eignung des Da-seins läßt dieses inständig werden im Ungewöhnlichen gegenüber jeglichem Seienden.

5. Die Ent-setzung aber ist aus der Lichtung des Da begriffen zugleich der Ent-zug des Ereignisses; daß es sich jeder vorstellenden Verrechnung entzieht und als Verweigerung west.

6. So reich gefügt und bildlos das Seyn west, es ruht doch in ihm selbst und seiner Einfachheit. Wohl möchte der Charakter des Zwischen (den Göttern und dem Menschen) dazu verleiten, das Seyn als bloßen Bezug zu nehmen und als Folge und Ergebnis der Beziehung der Bezogenen. Aber das Er-eignis ist ja


* vgl. das Sagen »des« Seyns, S. 473 f.

GA 65