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267. Das Seyn (Ereignis)

Das Seyn ist. Sagt nicht Pannenides dasselbe: εστίν γαρ είναι? Nein; denn eben hier schon steht das εἶναι für das ἐόν, das Sein ist hier schon das Seiendste Seiende, ὄντως ὄν, das alsbald zum κοινόν, zur ἰδέα, zum καθόλου wird.

Das Seyn ist - das will sagen: das Seyn west allein das Wesen seiner selbst (Ereignis). Das Seyn west - so muß freilich gesagt werden, wenn von der Metaphysik her gesprochen wird, für die gilt: das Seiende »ist« (die Zweideutigkeit des übergänglichen Denkens).

Das Seiende ist; hier wird aus der meist unausdrücklichen Grundstellung der Metaphysik gesprochen, die den Menschen das Seiende als Nächstes vorfinden und von ihm ausgehen und auf es zurückgehen läßt. Deshalb ist hier der Aussagecharakter des Satzes ein anderer als im Sagen: das Seyn ist. »Das Seiende ist« muß als Aus-sage vollzogen werden, die ihre Richtigkeit hat; auf das Seiende zu gerichtet, wird von ihm die Seiendheit berichtet. Das Aus-sagen (λόγος) gilt hier nicht etwa nur als der nachträgliche sprachliche Ausdruck eines Vor-stellens, sondern das Aus-sagen (ἀπό-φανσις) ist hier selbst die Grundform des Bezugs zum Seienden als einem solchen und damit zur Seiendheit.

Ganz anders ist sagensmäßig (vgl. Überlegungen IV, 1 f.) die Sage »das Seyn ist«. Zwar können wir jederzeit die Sage als einen Satz und Aussagesatz nehmen. Dann muß, metaphysisch gedacht, geschlossen werden: das Seyn wird so zum Seienden und folgerichtig zum Seiendsten. Allein, das Sagen sagt nicht vom Seyn etwas ihm allgemein Zu-kommendes, an ihm Vorhandenes aus, sondern sagt das Seyn selbst aus ihm selbst; daß das Seyn einzig seines Wesens mächtig und gerade deshalb das »ist« nie nur Zukommendes werden kann. In dieser Sage wird das Seyn aus dem »ist« her gesagt und gleichsam in das »ist« zurückgesprochen. Damit aber wird zugleich die Grundform gekennzeichnet, in der alles Sagen »vom« Seyn, besser: jedes Sagen des Seyns sich halten muß. Denn dieses Sagen »des« Seyns hat dieses nicht zum Gegenstand, sondern entspringt ihm


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65