489
271. Das Da-sein

Wesen der Selbstheit, die besagt: Der Mensch hat sein Wesen (Wächterschaft des Seyns) zu seinem Eigen-tum, sofern er in das Da-sein sich gründet. Das Wesen zum Eigen-tum haben bedeutet aber: Aneignung und Verlust dessen, daß er und wie er der Ereignete (in das Seyn Entrückte) ist, inständlich vollziehen müssen. Eigentlich, des Wesens eigens Eigentümer, sein und diese Eigentlichkeit je nach der Ab-gründigkeit der Ereignung inständlich bestehen und nicht bestehen, das macht das Wesen der Selbstheit aus. Weder vom »Subjekt« noch gar vom »Ich« oder der »Persönlichkeit« kann die Selbstheit begriffen werden, sondern nur das Inständnis in der wächterschaftlichen Zugehörigkeit zum Seyn, d. h. aber aus dem Zuwurf der Notschaft der Götter. Selbstheit ist die Entfaltung der Eigentumschaft des Wesens. Daß der Mensch sein Wesen zum Eigentum hat, sagt: es steht in der steten Gefahr des Verlustes. Und dieses ist der Widerklang der Er-eignung, die Überantwortung an das Seyn.

Im Da-sein, zu dem der Mensch durch die übergängliche Wesenswandlung inständlich wird, glückt allein eine Verwahrung des Seyns in Solches, was dadurch erst als ein Seiendes erscheint. Wenn in »Sein und Zeit« gesagt wird, daß durch die »existenziale Analytik« hindurch erst das Sein des nichtmenschlichen Seienden bestimmbar werde, dann heißt das nicht, der Mensch sei das zuerst und zunächst Gegebene, nach dessen Maßgabe das übrige Seiende die Prägung seines Seins erhalte. Eine solche »Auslegung« unterstellt, daß der Mensch immer noch in der Weise des Descartes und aller seiner Nachfolger und bloßen Gegner (auch Nietzsche gehört zu ihnen) als Subjekt gedacht werde. Aber dies gilt doch als nächstes Ziel, den Menschen, weil zuvor aus der Seinsfrage und nur so ihn begreifend, überhaupt nicht mehr als ein Subjektum anzusetzen. Wenn aber trotzdem das Da-sein in den Vorrang kommt, dann sagt dies: der Mensch, da-seinsmäßig begriffen, gründet sein Wesen und die Eigentumschaft seines Wesens auf den Entwurf des Seins und hält sich deshalb in allem Verhalten und jeder


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65