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2). Das Seyn

solches wird es erkannt und erkennbar erst durch die seynsgeschichtliche Erinnerung der (genitivus objectivus) Metaphysik.

Denn die Seinsverlassenheit des Seienden ist die Ungründigkeit des Seins, der zufolge es zum bloßen Nachtrag sich erheben läßt. Die Ungründigkeit entspringt aus dem Einsturz der selbst noch nicht abgründigen ἀλήθεια.

Die ἀλήθεια vermag nur die Wesung der Un-Verborgenheit, des Er-scheinens ins Offene; die Offenheit selbst west nicht als Lichtung und diese nicht als das Seyn.

Die ἀλήθεια ist zuletzt noch »Joch« und Brücke, aber abgrundlose Überbrückung, d. h. auch nicht Brücke und Joch, weshalb sie ihres ersten Wesensbesitzes verlustig gehen und zur Richtigkeit werden muß.

Das Grundhaft-Gründige des Seyns — das Seyn von solcher Wesung nur, wenn er-fragt als Inzwischen der Er-eignung.

Wissen: Die Ungründigkeit des Seins des Grundlosen Seienden. Deshalb die besinnungslose Erklärbarkeit und Planbarkeit von Allem. Der »Raum« der völligen Enträumung.

Nur wo das Grundhafte des Seyns ergründet wird — im seynsgeschichtlichen Erdenken -, ist das Bauliche noch einmal möglich. (Das »Konstruktive« der bloßen Einrichtung und Planung ist das stets nur Zeichnungsfähige, die Zeichnung aber das Plane (leer Ausgestreckte) der ungründigen Ebene des immer Selben.)

In der Ebene des Ungründigen ist eine Wesung der Gottschaft aus der Erwiderung des Menschentums unmöglich.

Alles Erklären ist Leugnung des Grundhaften. Wissenschaften bestätigen und betreiben das Grundlose des Seienden.



23. Das Seyn


ist im Anfang der abendländischen Geschichte und als ihr Anfang der Aufgang (φύσις), das aufgehende Walten (die sich lichtende An wesung). Doch dieser Aufgang ist schon durch den


Martin Heidegger (GA 66) Besinnung

GA 66