Die Unterscheidung wird als »die« Unterscheidung erstmals in »Sein und Zeit« begriffen und als »ontologische Differenz« mitgeteilt und in »Vom Wesen des Grundes« eingeführt und zum Ansatz eines freilich ganz anderen, jeder Art von Metaphysik fremden Fragens genommen. Dieses Fragen erfragt den »Sinn des Seins«, d.h. die Wesung der Wahrheit des Seyns, welche Wahrheit zum Seyn selbst gehört. So aber bleibt die »Unterscheidung« gleichwohl maßgebend und kann dadurch zu einer Verzögerung der Überwindung der Metaphysik werden.
Beim Versuch, die Unterscheidung zu denken und d.h. zunächst die Unterschiedenen, das Seiende und das Sein, vorzustellen, ergibt sich eine Verlegenheit und ein Verhängnis. Die Verlegenheit besteht darin, daß das Sein unvorstellbar bleibt, wobei Vorstellen meint, sich ein Bild machen und im Grunde als ein Seiendes vor sich haben, das Sein somit anzutreffen geradezu wie ein irgendwo vorhandenes Ding. Die Unterscheidung bricht nach der einen Seite hin gleichsam durch ins Leere; nur die Seite des Seienden bleibt, d.h. irgend ein je gemeintes Seiendes; dieser Berg, jener Baum, dieser Mensch.
Das Verhängnis aber besteht darin, daß im vorhinein schon aus der Absicht des Vor-stellens das Sein dem Seienden gleichgeordnet und so vor dem Vollzug und durch ihn bereits auf die Unterscheidung verzichtet wird. Darin bekundet sich aber einer ausharrenden Besinnung nur dieses: die Unterscheidung ist überhaupt nicht in einem sie durchherrschenden Vorstellen der Unterschiedenen möglich; liegt das am Unterscheiden nach der Art des Vorstellens, oder liegt dies an dem, was da in einen Unterschied eingefangen werden soll? An Beidem liegt es; weil beides zusammengehört. Daß nun aber trotzdem, freilich ohne Nachdenken und Fragen, die Unterschiedenheit von Seiendem und Sein zugrundegelegt und als zum voraus entschieden in der Geltung gelassen wird, das ist die Art aller Metaphysik.
Bedenken wir aber Verlegenheit und Verhängnis, die sich da bieten, ohne Ausweichen, dann werden sie zum Anstoß für ein wesentliches Fragen: Ist überhaupt das Sein als gegen das Seiende