6. Seyn?
Das Ereignis des Anfangs als des Untergangs in den Abschied
Erst in der Überwindung des Seyns selbst sogar ist die Überwindung der Metaphysik ereignet. Denn erst in der Überwindung des Seyns sogar wird der Grund der Möglichkeit des Beginns der Metaphysik verlassen. »Parmenides« ist der Übergang vom Seyn, das aber erst nur als ἀλήθεια aufgegangen zur Metaphysik (Sein als οὐσία und οὐσία als ἰδέα) bereitet.
Im ersten Anfang geht die ἀρχή auf, aber die Anfängnis fängt erst und nur an in der Innigkeit des Rückgangs. Allein gerade die ἀρχή, der Anfang als Verfügung der Verwahrung der Grenze und Entbergung west in die Richtung des Fortgangs vom Anfang. Anfängnis fängt an als Untergang. In der Anfängnis ist das Seyn untergegangen in die Verwahrung des Abschieds.
Im Wissen des Seyns als Ereignis ist das Seyn schon verwunden, aber nicht beseitigt. Es soll auch nicht beseitigt werden. Und dennoch fängt der Unterschied das Seyn auf in die Anfängnis des Untergangs und des Abschieds.
So bleibt im Übergang in den anderen Anfang noch langehin das Seyn das Gesagte. Und dennoch muß einmal der Schritt zur Verwindung auch des Seyns gewagt werden. Dann erst wird das Wort wahr: πὰντα γὰρ τολμητέον —Alles nämlich ist zu wagen, nicht nur das Seiende im Ganzen, nicht nur die Seiendheit, nicht nur das Sein, sondern sogar das Seyn.
Aber das Wagnis ist die Bereitschaft zur Verwindung des Seyns. Verwindung ist anfänglicher denn alle Überwindung, anfänglicher auch denn jede »Aufhebung«. Denn Verwindung ist zugleich Er-wesung des Seyns selbst in die Angefangenheit.
In der Verwindung des Seyns zur Anfängnis des Abschieds wird das Seyn gesagt und erfragt, damit die Erschweigung seiner Verwindung in den Anfang sich vollziehen kann.
Die Verwindung des Seyns enthält die Gewähr der eigentlichen, d. h. anfänglichen Frag-würdigkeit des Seyns. Die Verwindung ist nicht Entwürdigung des Seyns, sondern die letzte Würdigung.