A. Das Ereignis
97. Das Ereignis und das Seiende
(vgl. der Unterschied und die Unterscheidung)
Wenn das Seiende er-eignet, d. h. in die Entborgenheit der Lichtung des Da übereignet wird, dann bedeutet das nicht nur, daß das »Seiende« nun ins Bewußtsein komme und als Seiendes, das es ist, gegenständlich werde. Denn es ist ja bis dann gar nie Seiendes. »Seiend« das ist gleichzeitig ereignet mit dem Er-eignis.
Daß aber das [Seiende] ins Offene kommt, sagt auch nicht nur, es trete in die Möglichkeit der Vergegenständlichung, sondern sagt, es kommt in das Sein. Und es kommt in die Sage und in das Wort. Aber Sage und Wort sind nicht Ausdruck und Fassung, sondern Wesung des Seins.
Die Rose blüht im Gedicht des Dichters und nur da, aber dieses »Blühen« ist nicht einfach das nachgesagte zu einem vermeintlich Wirklichen, Seienden, sondern es allein ist das Seiende. Deshalb ist auch gemäß der Einzigkeit und Seltenheit des Seins die Er-dichtung selten. Nur selten blühen Rosen.
Allein für die vielen in die Verständigkeit ausgelassenen Menschen sind doch die Dinge einfach vorhanden und feststellbar; gewiß, auch dieses »Seinlassen« ist eine Art, in der das Seiende übereignet wird dem Sein.
Die »Übereignung«a nimmt den Menschen in Anspruch. Diese Auszeichnung des Menschen aber gründet nicht in seiner Subjektität. Daß er innerhalb der Metaphysik das eigentliche Seiende ist und das Urbild dazu -als Mikrokosmos (vgl. die Frage der Anthropomorphie1), diese Auszeichnung gründet in der Übereignung a gemeint die recht verstandene An-eignu11g als die an-fangende Eignung in das Eigene; nicht aber die Er-eignung in die Verwindung des Seyns in den Abschied.
a gemeint die recht verstandene An-eignu11g als die an-fangende Eignung in das Eigene; nicht aber die Er-eignung in die Verwindung des Seyns in den Abschied.
1 In: Die Metaphysik des deutschen Idealismus. Zur erneuten Auslegung von Schelling: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände (1809). Gesamtausgabe Band 49. Hrsg. v. G. Seubold. Frankfurt a. M. 1991, S. 70 ff.
On Inception p. 95