181
161. Geschichte

leicht als das Einzige und Eigentliche der Geschichte erscheinen möchte. Das Andere der Geschichte, ihr Verborgenes, Verhülltes, Verstelltes gilt dann nur als das gerade Unbekannte. In »Wahrheit« aber ist die Verbergung der Grundzug der Geschichte. Vom Offenkundigen her gerechnet, erscheint das Verborgene, wenn es zuweilen beachtet und erfahren wird, als das Unerwartete und aus dem Unberechenbaren Geschickte. Man begnügt sich, wenn es hoch kommt, dieses als Geschick und die Art seines Auftretens als Schicksal hinzunehmen.

Warum aber ist die Verbergung der Grundzug der Geschichte? Weil in ihr die Anfängnis des Anfangs west und der Anfang das Seyn ist.



161. Geschichte


als jeweiliger Anfang, als Entscheidung über das Wesen der Wahrheit.

Also eine Abfolge von Anfängen? Das wäre wieder historisch gedacht und von einem scheinbaren Standort außerhalb gesehen. Zwischen den Anfängen Klüfte; ihr Ragen in das Selbe; das kein Allgemeines, sondern je das Einzige; aus jedem Anfang je verschieden der Bezug zu den anderen; bisher stehen wir noch im ersten Anfang und wissen kaum etwas von der Anfänglichkeit der Geschichte. Auch nicht eine Folge von Klüften; sondern alles jeweilen anfänglich.

Wie ein Anfang endet und zu seinem Ende geht und was diese Zwischen»geschichte« ist, auch das läßt sich je nur aus der Wesensweise des jeweiligen Anfangs erkennen; keine »Geschichtstheorie«, sondern Geschichtlichkeit — unsere als Weg in die Anfänglichkeit des anderen Anfangs.


Martin Heidegger (GA 70) Über den Anfang

On Inception p. 151

GA 70