καϊ τις πρός άνδρός μή βλέποντος άρκεσις;
οσ’ άν λέγωμεν πάνθ’ όρώντα λέξομεν.

Sophokles, Oidipus auf Kolonos, Vers 75 f.

Und welches ist von einem Manne, der nicht blicken kann,

denn die Gewähr?

Was wir auch sagen mögen, Alles sagend sehen wir.


ἄρκεσις »Gewähr« — was er bietet an haltbarem Anhalt,

βλέπειν »blicken« — den Anblick haben vom Seienden, von den Dingen und Begebenheiten. In all diesem versieht sich dieser Mann. Er ist blind für das Seiende,

ὁρᾶν »sehen« — das Auge haben für das »Sein« — das Geschick — die Wahrheit des Seienden. Dieses Sehen ist die Sicht des Schmerzes der Erfahrung. Das Leidenkönnen bis zum Leid der völligen Verborgenheit des Wegganges.


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Diese »Dar-stellung« beschreibt und berichtet nicht; sie ist weder »System« noch »Aphorismus«. Sie ist nur dem Anschein nach »Dar-stellung«. Es ist ein Versuch des antwortenden, gründenden Wortes; die Sage des Austrages; aber ein Gang auf einem Holzweg.

Alles seit den »Beiträgen zur Philosophie (Vom Ereignis)« in diese Sage verwandeln.


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Das Geschick des Seyns geht an die Denker über

Unter jedem der Grundworte wird das Selbe, das Ereignis gesagt. Ihre Folge ist aus dem Wesen des Austrages bestimmt, zu dessen Inständigkeit die Sage vielleicht bisweilen übereignet ist.

Die Grundworte sind Spuren, die in einem unüberschaubaren Kreis um das Ereignis führen in einem Bereich, der über alle Nähe und deshalb unbekannt ist für jedes unmittelbare Vorstellen.

Jedes Wort antwortet dem An-spruch der Kehre·, daß die Wahrheit des Seyns west im Seyn der Wahrheit.

Der Ring der Kehre zeigt: die Verwundung der Anfängnis an.

GA 71