Ist aber dann die ἰδέα, die Scheinsamkeit, nicht das selbe wie die ἀλήθεια? Ja und Nein. In ihr noch das Wesen des Aufgehenden, aber zugleich die Aufnahme des Erblickens, wodurch die ἰδέα selbst das wird, worauf ein Richten sich richtet. Dadurch wird aber zunächst nichts von »Subjekt« und Subjektivem, eingeführt. Nur dieses ist wesentlich, daß die Unverborgenheit unter das Joch der ἰδέα und d. h. des Erblickens kommt; wobei aber das Erblicken nicht die ἰδέα selbst setzt und schafft, sondern sie vernimmt.
Allein dies scheint doch schon im Satz des Parmenides gesagt zu sein, wo doch das νοεῖν schon in seiner Zugehörigkeit zum Sein genannt wird. Ist hier das εἶναι nicht schon νοούμενον, also ἰδέα? Gerade nicht — gerade dieser Schritt liegt fern, sondern νοεῖν und εἶναι sind genannt in der Zugehörigkeit zur ἀλήθεια. Und dieses ist etwas wesentlich anderes denn die Einspannung von ἀλήθεια und νους unter das Joch der ἰδέα.
Die ἰδέα aber als αγαθόν rückt in den Bezirk der Ermöglichung und damit der Erklärung — des Bedingens — des Herstellens — αίτιον; αίτιον ist ἀρχή. Aber nicht ist die ἀρχή anfänglich αίτιον.Mit dem Schritt zum άγαθόν wird das Sein zu einem Seienden, zum Seiendsten der Art, daß es das Sein verursacht — nicht zum Sein, das anfänglich ist.
Nicht ist es das Selbe: das im höchsten Sinne Seiende (Seiend-ste) und das, was als das reine Sein nie ein Seiendes ist und doch gerade deshalb die reine Wesung bleibt und anfänglich und einzig »ist« — anfänglicher denn jenes ἔστιν des εἶναι bei Parmenides.
Dann aber und allem zuvor müssen wir bedenken: Αλήθεια ist die Entbergung der Verbergung und west in sich in das Ab-grün-dige und Rätselvolle — mid dieses ist nicht nur eine Schranke, die dem menschlichen Fassen vorgelegt wird, sondern die Ab-grün- dung ist die Wesung selbst — das Anfängen.
Doch bleibt noch die Frage des Bezuges zur Αλήθεια und zum Anfang selbst — im ersten Anfang unbestimmt, im anderen Anfang: das Da-sein.