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X. Weisungen in das Ereignis

Das Ab-gründende der Ent-stiftung stammt nicht daher, daß dem Grund und der Gründung nachträglich oder nebenher ein Abbruch, getan wird, sondern das Ab-gründende liegt im Abschiedlichen Wesen des Anfangs selbst.

Die Abgründung folgt der Verwindung in den Untergang. Ab- -gründung folgt dem Rätsel des Anfangs.

Die Ent-Stiftung entzieht sich dem Heimischen; aber dieses Entziehen entspringt schon aus dem wesenhaften Aufmerken auf das Ereignis, d. h. aus der Folgsamkeit zur Verwindung.

Das Er-eignis in seiner untergänglichen Anfängnis ist das Unheimische, aber nicht das Unheimische zum Heimischen des Dichtens, sondern das wesenhaft nicht auf Heimisch und Unheimisch bezogene; aber erst recht nicht das bloße Abenteuern, das gerade auf beides in je verschiedener Gleichgültigkeit zu ihnen gebannt bleibt.

Das »Unheimische« des Denkens ist außerhalb von Heimisch und Unheimisch in der Wesung der Wahrheit selbst.


Der Dichter kann nur an-denken, sein Wort weist zum Heiligen, so daß er das (Ereignis) des Heiligen und gar die Anfängnis des Ereignisses nie dichten kann.
Aber indem der Dichter nur das Heilige sagt, stiftet er und ist Gründer.
Das Andenken ist ein dichtendes Denken.
Der Denker bringt nur zum Austrag den Unterschied und kann in der Folgsamkeit zum Abschied niemals gründen. Aber er denkt nicht nur »an« das Gewesene und Kommen de, sondern er denkt vor in den Anfang. Dieses Vor-denken ist vom Anfang als solchem her gesehen anfänglicherer Bezug zum Seyn und deshalb ein denkenderes Denken, d. h. denkerisches Denken. Als Vor-denken aber hat sein Denken aus der reinen Trennung etwas von der Art des Gründens (d. h. Dichtens).
GA 71