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Zu Ereignis II. Seinsfrage und Ereignis

Die Seinsfrage aus der Seinsvergessenheit, die über den Abgrund hält.

Die Wesung des Seins - trägt »uns« und im Tragen setzt sie uns aus. Trägt uns - schließt uns aus - eröffnend vom anderen Seienden. Setzt uns aus - Zuweisung in das Seiende im Ganzen.

Dieses aber grundverschieden für die Schaffenden und die Bewahrenden und Umsetzenden und die Vermögenden.

Wenn aber Wesung vergessen - west sie doch und gerade - und die Vergessenheit läßt uns nicht im Grund (der Wesung) gegründet sein - sondern läßt uns ohne Grund - zieht uns über dem Abgrund hin und her.

Die Vergessenheit ist nicht der Abgrund selbst - sondern sie hält ihn, aber als solchen überdeckt, gerade offen -sie hält uns darüber, so daß, wenn die Vergessenheit nur aufhört (wie das), alles einbricht - die Ratlosigkeit und der Betrieb - die Übersteigerung - Vermassung und das Riesenhafte - die Zerstörung durch Erfindung (Technik) - das Unterlegen durch Beherrschung.

Es ist trotz aller Versicherung des Gegenteils: ein Wahnsinn - die Technik (mag man diese Überzeugung als Romantik schimpfen).

Jedenfalls: wir haben sie noch nicht beherrscht - weil wir selbst nicht wir selbst sind!



11. Seinsvergessenheit und Seinsverständnis


Die Seinsvergessenheit schließlich die Abart und das Unwesen des Seinsverständnisses und dieses lediglich in der Gestalt des »Apriorismus« - | Platonismus und Idealismus ausgebildet.

Die Seinsvergessenheit ist dann zu überwinden in einer Seins-erinnerung; ἀνάμνησις?

Ja - im Sinne der Erinnerung an den ersten Anfang - d. h. an Seinsgeschick und unser Stehen in seiner Macht.

Aber diese Erinnerung nur - aus der Entäußerung in den neuen Anfang - heraus aus dem Bisherigen - der Absprung. Nicht Erinnerung


Martin Heidegger (GA 73 I) Zum Ereignis-Denken

GA 73-1