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Die Sage

19. Das Sein als Er-eignis (Der Mensch)


ist Er-eignung des In-zwischen, das sich er-eignet.

Das Inzwischen ist vor allem Wo und Wann und Was und Wie; nie kann gefragt werden, wie es vom »Seienden« aus zu er-reichen sei; denn es »ist« schon erreicht, in diesem Falle dem Schein nach verlassen.

Die Er-eignung ist nicht Subjektivität (als Wille und dergleichen), ist nicht Gegenständlichkeit, ist auch nicht Anwesung in das Unverborgene (φύσις).

Das Seyn wird auch nie vom Menschen aus erst bedacht, sondern zuvor ist der Mensch, ins Da-sein versetzt, dem Inzwischen über-eignet.

Das Seyn ist un-bedingt; aber schon diese Nennung denkt nur meta-physisch; im Absprung vom Seienden.



20. Das Seyn und die Stimmung


Das Seiende ist nicht das Wirkende, nicht das Wirksame, nicht das Wirkliche; das Seiende ist nur Jenes, was im Seyn west. Das Seyn be-stimmt als Stimmung; diese legt sich nicht »um« die Dinge. So scheint es nur, weil wir den Ursprung der Stimmung mißdeuten. Sie liegt »um« das Seiende, weil es dieses durchstimmt und durchstrahlt. Das Be-stimmen der Stimmung ist kein Be-wirken und gar kein Ver-ursachen. Das Be-stimmen ist wirkungslos, weil wirkungsunbedürftig.

Die Stimmung hat das Wesen der Er-eignung ins Eigene; Zu-eignung in das Eigentum der Armut, die allein reich genug ist, das Un-wirkliche, d. h. das Gedichtete und im Er-denken Gedachte und Denkbare zu verschenken.

Aber zumeist rechnet der Mensch mit dem, was das Seiende »sonst« ist, d. h. gewöhnlich für die Seinsvergessenheit, die, dem Sein gleichwohl überantwortet, es aus dem Seienden zusammenzurechnen immer aufs neue unternimmt.


Martin Heidegger (GA 74) Zum Wesen der Sprache und zur Frage nach der Kunst

GA 74