Hölderlin
Das Vaterland nicht und nicht das Christentum, auch nicht das »Metaphysische« (in der Bedeutung des alles Sinnliche durch waltenden Übersinnlichen) reichen zu, um den Stiftungsbereich Hölderlins auch nur anzudeuten, geschweige denn in ihn vorzudenken.
Aber noch sind wir gewohnt, entweder das Vertrauen zum Leuchten und Klingen, zum Weben und Ruhen der nächsten Dinge, oder aber die Flucht über all Solches hinweg zum »Ideal«, und endlich den hin und her rechnenden Ausgleich zwischen beiden als die Möglichkeiten zuzulassen, in denen eine Rettung des Menschen inmitten des Seienden ihr »Glück« machen könnte — als ob es überhaupt auf die Rettung ankäme.
Weil diese metaphysische Gewöhnung alle Versuche einer historischen Bestimmung und Festigung seiner Lage in einer schon fast unkenntlich gewordenen Geläufigkeit leitet und befriedigt, verfällt jede Auslegung des Dichters in den »aesthetischen«, »existenziellen« oder »politischen« »Historismus«. Dieser kann jedoch nie zulassen, daß in Hölderlins Dichtung eine wesenhafte Einzigkeit des geschichtlichen Augenblicks erfahren wird (ein Unbedingtes der Entscheidung, nicht des metaphysisch »überzeitlichen« Absoluten).
Diese »Einzigkeit« des seynsgeschichtlichen Augenblicks kann auch niemals bewiesen werden durch die Hervorhebung der Ungewöhnlichkeit der »Sprache«, durch Besonderungen der »Erlebnisse« und »Gehalte«, durch das Herausgesetzte des menschlichen Geschickes — denn alles dieses ist schon Wesensfolge jener Augenblicklichkeit, in der eine grundhafte Erschütterung aller metaphysischen und damit auch »religiösen« und »aesthetischen« und »politischen« Wahrheit des Seienden anfängt. Deshalb besteht die besondere Gefahr, das »menschliche« Geschick des Dichters »psychologisch« zu verkennen oder nur zu einer »symbolischen« Deutung zu mißbrauchen, seinen Vorübergang als den eines historisch verzeichenbaren Menschen zu nehmen,