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Ein Gespräch selbstdritt auf einem Feldweg

DER FORSCHER: Aber wir warten doch, wenn wir warten, immer auf etwas.


DER GELEHRTE: Gewil3; aber sobald wir das, worauf wir warten, uns vorstellen und es zum Stehen bringen, warten wir schon nicht mehr.


DER WEISE: Im Warten lassen wir das, worauf wir w.arten, offen.


DER GELEHRTE: Weshalb?


DER WEISE: Weil das Warten in das Offene selbst sich einläßt.


DER GELEHRTE: In die Weite des Fernen.


DER WEISE: In dessen Nähe es die Weile findet, darin es bleibt.


DER FORSCHER: Bleiben aber ist ein Zurückkehren.


DER GELEHRTE: Das Offene selbst aber das, worauf wir rein nur warten könnten.


DER FORSCHER: Das Offene selbst aber kommt aus der Gegnet.


DER WEISE: In die wir wartend eingelassen sind, wenn wir denken.


DER FORSCHER: Das Denken wäre dann das In-die-Nähe-kommen zum Fernen.


DER GELEHRTE: Das ist eine verwegene Bestimmung seines Wesens, die uns da zufällt.


DER FORSCHER: Ich habe nur zusarnmengefa8t, was wir soeben nannten, ohne mir dabei etwas vorzustellen.


DER WEISE: Und doch haben Sie sich etwas gedacht.


DER FORSCHER: Eigentlich eher auf etwas gewartet, ohne zu wissen worauf.


DER GELEHRTE: Und woher konnten Sie plötzlich warten?


Martin Heidegger (GA 77) Feldweg-Gespräche

GA 77