EINLEITUNG


Der Spruch des Anaximander und seine Übersetzungen: Nietzsche und Diels



§ 1. Zitierung des Spruches und der Übersetzungen von Nietzsche und Diels


In seinem Kommentar zur »Physik« des Aristoteles (in Phys. 24, 13-21 D) berichtet Simplikios: Ἀναξίμανδρος ... ἀρχὴν ... τῶν ὄντων ... λέγει ... μήτε ὕδωρ μήτε ἄλλο τι τῶν καλουμένων εἶναι στοιχείων, ἀλλ' ἑτέραν τινὰ φύσιν ἄπειρον, ἐξ ἧς ἅπαντας γίνεσθαι τοὺς οὐρανοὺς καὶ τοὺς ἐν αὐτοῖς κόσμους· ἐξ ὧν δὲ ἡ γένεσίς ἐστι τοῖς οὖσι, καὶ τὴν φθορὰν εἰς ταῦτα γίνεσθαι κατὰ τὸ χρεών· διδόναι γὰρ αὐτὰ δίκην καὶ τίσιν ἀλλήλοις τῆς ἀδικίας κατὰ τὴν τοῦ χρόνου τάξιν, ποιητικωτέροις οὕτως ὀνόμασιν αὐτὰ λέγων.1

In diesem Bericht ist der Spruch des Anaximander aufbewahrt. Anaximander soll vom Ende des siebenten bis in die Mitte des sechsten griechischen Jahrhunderts auf der Insel Samos gelebt haben. Simplikios hat den Spruch des Anaximander aus der Schrift des Theophrast übernommen, die den Titel Φυσικών δόξαι trägt: »Die Ansichten derer, die von der φύσις sagen«2. Die Anführung des Spruches beginnt mit ἐξ ὧν δὲ ... Seit der Zeit, da Anaximander den Spruch gesagt hat, wir wissen nicht wo und wie und zu wem, bis zu dem Augenblick, da Simplikios den Spruch


1 Simplicii in Aristotelis Physicorum libros quattuor priores commentaria. Ed. Hermannus Diels. Reimer, Berlin 1882. In Phys. I, 2; S. 24, 13-21. Vgl. Ders., Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch. 5. Aufl. Hrsg. von Walther Kranz. 3 Bde, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1934-1937. Bd. I (1934). Anaximander, Fragment A 9, S. 89.

Anm. d. Hg.: Ohne Komma nach Tale;; oum in Heideggers Handschrift [=Hs.].

2 Theophrast, Φυσικών δόξαι (Fr. 2), in Doxographi Graeci. Hrsg. von Hermann Diels. De Gruyter, Berlin 1929, S. 476, 1-9.


Martin Heidegger (GA 78) Der Spruch des Anaximander

GA 78