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§ 8. Exkurs: Pindars V. Isthmische Ode

a) Das Gold als περιώσιος ἄλλων

(»über-ragend an Sein [alles] andere und ausbreitend Sein um [sich] herum«)


a) Die Erfahrung des Seins im Glanz des Goldes.

»Sein« =leuchten, glänzen, scheinen, (her-)an-wesen - im in sich Zurückquellen


Das Wort περιούσιος51 ist hier vom Gold gesagt.52 Wir versuchen in den Zusammenhang zu denken, aus dem vom Gold und zwar vom χρυσός als περιούσιος gesprochen wird. Daß der Zusammenhang ein dichterischer ist, deutet darauf, daß diesem Sagen vom Gold der heilige Zwang innewohnt, mit dem sich Zu-Sagendes bisweilen zur Sprache bringen muß.

Was ist es mit dem Gold, wenn es so in die Nähe des eigensten Wortes vom »Seienden« gebracht und »seiender« genannt wird, denn das Andere alles, was nämlich sonst ist? Gibt uns der Zusammenhang des dichterischen Wortes des griechischen Sängers von dem also genannten »Gold« her eine Weisung, wie hier und dann überhaupt im wesenhaften Sinne das Seiendsein des Seienden nach der griechischen Erfahrung verstanden und das sagt, im Gedächtnis behalten werden muß?

Unsere Sprache kennt die Redewendung: »Es ist nicht alles Gold, was glänzt.«53 Darin liegt: Das Gold ist das eigentlich Glänzende, so daß, was sonst noch glänzt, sich zuweilen für Gold ausgeben kann, weil es im Glänzen des Goldes erscheint, obzwar dieses Erscheinen ein bloßes Scheinen ist. Demnach bleibt in jener Wendung unbestimmt, wie wir es mit dem Glänzen des Goldes zu halten haben. Ist der Glanz hier nur eine besondere Eigenschaft dieses Metalls, die, so gemeint, bei der besonderen Art des matten Goldes sogar fehlen kann? Oder beruht das Goldene in einem Glänzen, dergestalt, daß in solchem Glanz auch das nicht


51 Heidegger wechselt zwischen περιώσιος und περιούσιος. Siehe S. 60.

52 Anm. d. Hg: Zur Auslegung von περιώσιον, vgl. Anhang 1, S. 286-291.

53 Anm. d. Hg.: Vgl. Anhang TI, Nr. 40.

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