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Erstes Kapitel: Der erste Teil des Spruches

ihnen, den also Verfügten, sie wesen und entstehen κατὰ τὸ χρεών. Wir übersetzen jetzt: »füglich dem Brauch«. Dieser aber ist der reine Anspruch des lassenden Zwingens: die Gewähr von Entstehen, welche Gewähr ist Einbehalten von Entgehen; das Entstehen als die Weise des An-und Her-Wesens ist zumal Entgehen aus Anwesen. Das An-wesen ist wesenhaft eine Weile; d. h. es ist nicht nur eine Zeit lang, sondern diese Weile selbst und darum wesenhaft je eine Weile. Das Lassen des Brauchs läßt das Anwesen als Weile wesen und nur als solche.

Das τὸ χρεών sagt in der Weise eines Winkes in das Zudenkende. Zu denken, nicht bloß mit einem Namen zu bezeichnen, ist das Sein selber. Im Wort τὸ χρεών das Sein selber gelichtet und ins Unverborgene gebracht, dies auch dann, wenn das Ausgesprochene selbst noch verhüllt und vollends die Unverborgenheit, in der es sich lichtet, verborgen bleiben. Der Brauch erbringt, indem er das Anwesen als je die Weile wesen läßt, die Bracht, in deren Glanz Seiendes als Anwesendes erscheint und verscheint.

Aber τὸ χρεών ist nicht das letzte Wort des Spruches über das Sein des Seienden, sondern nur das letzte Wort seines ersten Satzes, der, mit dem zweiten verklammert, aus der Einheit mit diesem sein eigenes Sagen voll ausspricht. Die Auslegung des ersten Satzes können wir jetzt in die dadurch erlangte Übersetzung übernehmen:

ἐξ ὧν δὲ ἡ γένεσίς ἐστι τοῖς οὖσι καὶ ἡ φθορὰν εἰς ταῦτα γίνεσθαι κατὰ τὸ χρεών·

»Aus welchem her aber das Entstehen sich bringt den Anwesenden auch sogar das Entgehen zu diesem hin (als dem Selben) entsteht füglich dem Brauch;«.

GA 78