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Das Ge-Stell


Nähe und Ferne des Anwesenden bleiben aus. Mit diesem Hinweis hat unsere Besinnung begonnen. Die Flugmaschine und alle in ihrer Schnelligkeit sich fortgesetzt steigern den Apparate des Verkehrs verkürzen die Entfernungen. Jedermann kennt dies heute. Alle versichern, die Erde werde kleiner. Jeder weiß: das bewirkt die Technik.

Diese Einsicht besitzen wir, ohne daß wir uns auf so umständliche Umwege einzulassen brauchen, wie wir sie jetzt gegangen sind, indem wir dem Ding und seinem Dingen, dem Ge-Stell und seinem Stellen, dem Bestand und seinen Bestandstücken nachdachten.

Warum gehen wir, um den Einblick in das, was ist, zu erlangen, trotzdem diesen Weg des Denkens? Weil wir keineswegs nur und noch einmal durch eine beliebig vermehrbare Anzahl von Wahrnehmungen feststellen wollen, was jedermann im technischen Zeitalter kennt. Das Entscheidende ist nicht, daß die Entfernungen sich mit Hilfe der Technik verringern, sondern daß Nähe ausbleibt. Wir stellen auch dies nicht nur fest. Wir bedenken das Wesen der Nähe und zwar, um zu erfahren, inwiefern sie ausbleibt, um zu bedenken, was in diesem Aus bleiben sich ereignet.t Wir verfolgen nicht die Auswirkungen der Technik, um deren Folgen zu schildern. Wir denken ins Wesen der Technik, um zu erfahren, wie diesem Wesen gemäß das Ausbleiben der Nähe mit der Wesensentfaltung der Technik zusammengeht. Die Maschinen der Technik können nur des halb die Entfernungen verkürzen und gleichwohl keine Nähe bringen, weil das Wesen der Technik im vorhinein Nähe und Ferne nicht zuläßt. Dem Wesen der Technik denken wir jedoch keineswegs deshalb nach, um das Gebäude einer Philosophie der Technik zu errichten oder auch nur zu entwerfen. Die Technik west als das Ge-Stell. Was jedoch waltet im Ge-Stell? Woher und wie ereignet sich das Wesen des Ge-Stells?u


t weshalb gerade Nähe? Nähe und Unterschied! u das Ge-Stell als >Wesen< im weiteren Sinne


Martin Heidegger (GA 79) Bremer und Freiburger Vorträge