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Die Gefahr

Unermeßliche Leiden schleichen und rasen über die Erde. Immer noch steigt die Flut des Leids. Aber das Wesen des Schmerzes verbirgt sich. Der Schmerz ist der Riß, in den der Grundriß des Gevierts der Welt eingezeichnet ist. Aus diesem Grundriß empfängt das Große jene Größe, die zu groß ist für den Menschen. Im Riß des Schmerzes wahrt das hoch Gewährte sein Währen. Der Riß des Schmerzes reißt verhülltes Gehen der Gunst in eine ungebrauchte Ankunft der IjU»ld»-Überall bedrängen uns zahl- und maßlose Leiden. Wir aber sind schmerzlos, nicht vereignet dem Wesen des Schmerzes.

Eine grausige Verelendung geht um. Das Heer der Armen wächst und wächst. Aber das Wesen der Armut verbirgt sich. In ihr ereignet sich, daß das Einfache und Ljinde alles Wesenhaften unscheinbar zu dem Eigentum wird, worin die Dinge einer gewährten Welt wohnen mögen.

Der Tod, das Gebirg des Seyns, der Schmerz, der Grundriß des Seyns, die Armut, die Refreiung ins Eigentum des Seyns sind Merkmale, an denen die Gefahr merken läßt, daß die Not inmitten der riesigen Nöte ausbleibt, daß die Gefahr nicht als die Gefahr ist. Die Gefahr verbirgt sich, indem sie sich durch das Ge-Stell verstellt. Dieses selber wiederum verhüllt sich in dem, was es wesen läßt, in der Technik. Daran liegt es auch, daß unser Verhältnis zum Wesen der Technik so seltsam ist. Inwiefern ist es seltsam? Weil das Wesen der Technik nicht als das Ge-Stell und dessen Wesen nicht als die Gefahr und diese nicht als das Seyn selbst ans Licht kommt, deshalb mißdeuten wir gerade jetzt, wo alles doch von technischen Erscheinungen und Wirkungen der Technik mehr und mehr durchsetzt wird, überall noch die Technik. Wir denken über sie entweder zu kurz oder zu voreilig.

Wir könnten nämlich jetzt versucht sein, auf das, was über die Technik, über das Ge-Stell und die Gefahr erörtert wurde, kurzerhand folgendes zu erwidern: Daß die Technik eine Gefahr sei, verkündet man heutigentags allerorten eindringlich und laut genug. Viele gehen im Urteil schon weiter. Man behauptet,

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