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XXXV. Überlieferte Sprache und technische Sprache

Sprache her die Welt neu zu sagen und dam it Noch-nicht-geschautes zum Scheinen zu bringen. Dies aber ist der Beruf der Dichter.

Der Titel des Vortrags »Überlieferte Sprache und technische Sprache« nennt somit nicht nur einen Gegensatz. Hinter elem Titel des Vortrags verbirgt sich der Hinweis auf eine ständig wachsende Gefahr, die den Menschen im Innersten seines Wesens bedroht - nämlich in seinem Verhältnis zum Ganzen dessen, was gewesen, was im Kommen, was gegenwärtig ist. Was zunächst nur wie ein Unterschied von zwei Arten der Sprache aussieht, erweist sich als ein über den Menschen waltendes Geschehen, das nichts Geringeres als das Weltverhältnis des Menschen angeht und erschüttert. Es ist ein Weltbeben, dessen Stöße der heutige Mensch kaum beachtet, weil er fortgesetzt mit den neuesten Informationen zugedeckt wird.

Darum wäre zu überlegen, ob der Unterricht in der Muttersprache angesichts der Mächte des Industriezeitalters nicht etwas ganz anderes ist als nur etwas allgemein Bildendes gegenüber der Fachausbildung. Zu bedenken wäre, ob dieser Sprachunterricht statt einer Bildung nicht eher eine Besinnung sein müßte, nämlich auf die Gefahr, die die Sprache und d. h. das Verhältnis des Menschen zur Sprache bedroht, eine Besinnung aber zugleich auf das Rettende, das sich im Geheimnis der Sprache verbirgt, sofern sie uns inaner auch in die Nähe des Ungesprochenen und des Unaussprechlichen bringt.


Martin Heidegger (GA 80-2) Vorträge (Teil 2: 1935-1967)

GA 80-2